Beitragsanpassungen (BAP) in der PKV abfedern

14. August 2020

Grundsätzliches

Wurde der Beitrag Ihrer privaten Krankenversicherung (PKV) aufgrund einer Beitragsanpassung (BAP) erhöht, stehen Ihnen mehrere Alternativen zur Auswahl, um Ihren Beitrag zu reduzieren. Die auswählbaren Alternativen können Sie unabhängig von einer Beitragsanpassung natürlich immer wählen, um Ihre Beiträge zu reduzieren.

Alternativen, die keiner erneuten Gesundheitsprüfung bedürfen

Umstellung in einen aktuell im Verkauf befindlichen Tarif mit gleichwertigen Leistungen ohne Gesundheitsprüfung

Durch dieses im §204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) garantierten Rechts, können Sie ohne erneute Gesundheitsprüfung in aktuell im Verkauf befindliche Tarife mit gleichwertigem Versicherungsschutz wechseln, die häufig vom Beitrag her günstiger sind. Selbst bei einem Wechsel von einem Bisex- auf einen Unisex-Tarif können Sie oftmals deutliche Einsparungen erzielen. Angesammelte Alterungsrückstellungen werden in den neuen Tarif übertragen.

Angebote hierzu können Sie über Ihren Versicherungsexperten oder direkt bei Ihrem Versicherer anfordern.

Reduktion des Versicherungsumfangs bzw. der -leistungen

Beispiele:

  • Stationär: Umstellung 1-Bettzimmer auf 2-Bettzimmer
  • Zahnleistungen: Umstellung Erstattungssätze für Zahnersatz z.B. von 100% oder 90% auf bspw. 85% oder 75%

Wichtig:

Man sollte beachten, dass mit zunehmenden Alter die Inanspruchnahme der privaten Krankenversicherung eher steigen wird und dadurch der Versicherte einen größeren Teil der dann höheren Kosten selbst tragen muss. Möchte man dann wieder in einen Tarif mit besserem Leistungsniveau wechseln, wird der Versicherer grundsätzlich eine erneute Gesundheitsprüfung verlangen. Dies wird in einem vorgeschrittenen Alter mit häufig zahlreichen Vorerkrankungen dann ggf. gar nicht mehr oder nur mit hohen Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen möglich sein.

Erhöhung des Selbstbehalts

Beispiele:

  • von 0.- EUR auf 300.- EUR
  • von 150.- EUR auf 500.- EUR

Wichtig:
Man sollte beachten, dass mit zunehmenden Alter die Inanspruchnahme der privaten Krankenversicherung eher steigen wird und dadurch der Versicherte einen größeren Teil der dann höheren Kosten selbst tragen muss. Möchte man dann wieder in einen Tarif mit geringerem Selbstbehalt wechseln, wird der Versicherer grundsätzlich eine erneute Gesundheitsprüfung verlangen. Dies wird in einem vorgeschrittenen Alter mit häufig zahlreichen Vorerkrankungen dann ggf. gar nicht mehr möglich sein.

Alternativen mit erneuter Gesundheitsprüfung

Wechsel zu einem anderen privaten Krankenversicherer

Sofern Sie keine nennenswerten Vorerkrankungen aufweisen und der Markt deutlich günstigere Angebote mit einem gleichwertigen Versicherungsschutz bietet, kann es für Sie besser sein zu kündigen und zu einem anderen Krankenversicherer zu wechseln. 

Die Alterungsrückstellungen können Sie dann zwar nicht mitnehmen (Ausnahme: Basistarif), dies ist jedoch auch nicht erforderlich, da der Beitrag des neuen Versicherers sowieso günstiger ist. Dies ist vor allem in jungen Jahren möglich, da Sie dann in der Regel gesund sind und sich auch noch keine großen Alterungsrückstellungen bei Ihrem „alten“ Versicherer aufgebaut haben.

Beitragsentlastung im Alter (BEA) zusätzlich abschließen, der Arbeitgeber zahlt bis zu 50% des Beitrags

Prüfen Sie als Angestellter, ob Ihr Arbeitgeber bereits den maximalen Arbeitgeberzuschuss für Ihre private Krankenversicherung leistet, ansonsten können Sie ihn finanziell an einem Beitragsentlastungstarif im Alter beteiligen, sofern Sie einen solchen noch nicht abgeschlossen haben. Sie zahlen zwar dann einen zusätzlichen Beitrag, dieser unterstützt Sie jedoch dabei im Ruhestand, oder ggf. schon vorher, die Beiträge für Ihre private Krankenversicherung deutlich zu reduzieren.

Der Beitragsentlastungstarif im Alter (BEA) ist ein freiwilliger Tarifbaustein zur privaten Krankheitskostenvollversicherung, mit dem privat Krankenversicherte gegen hohe Beiträge im Alter finanziell vorsorgen können. Der Tarif verlangt keine Gesundheitsprüfung. Die Funktionsweise ist bei allen privaten Krankenversicherern gleich. Während des aktiven Arbeitslebens schließt man freiwillig einen Tarifbaustein für die Beitragsentlastung im Alter ab (z.B. eine Entlastung von 200.- EUR monatlich im Ruhestand), mit denen der PKV-Beitrag später, in der Regel mit Alter 65 oder 67, um den vereinbarten Betrag reduziert wird. Dadurch bleibt die private Krankenversicherung auch im Alter besser bezahlbar.

Genau wie an den Beiträgen seiner Mitarbeiter zur gesetzlichen Krankenversicherung, beteiligt sich der Arbeitgeber auch an PKV-Beiträgen mit 50%, das gilt auch für Beitragsentlastungstarife. Der Höchstbetrag für den Zuschuss zur privaten Krankenversicherung durch den Arbeitgeber beträgt im Jahr 2019 monatlich 351,66 Euro. Diese hohe Grenze wird aber auch nach Abschluss eines zusätzlichen Entlastungsbausteins selten erreicht, der Arbeitgeber finanziert dann praktisch auch die Hälfte der zukünftigen Beitragsentlastung seines Arbeitnehmers.

Beispiel:

  • Der 35-jährige Angestellte Stefan K. ist privat krankenversichert. Seine private Krankenversicherung kostet zurzeit 500.- EUR im Monat, davon übernimmt der Arbeitgeber 50%
  • Um sich günstige Beiträge im Ruhestand zu sichern, ergänzt Stefan K. seine Private Krankenversicherung um einen Beitragsentlastungsbaustein (200.- EUR Entlastung monatlich ab Alter 67), für den er monatlich 50.- EUR zahlt
  • Für den bis zum 67. Lebensjahr zu zahlenden Beitrag von 50.- EUR monatlich wird der Krankenversicherer ihm ab Alter 67 eine monatliche Beitragsentlastung von 200.- EUR gewähren
  • Der Vorteil: Die Kosten des Beitragsentlastungstarifs trägt Stefan K. selbst nur zur Hälfte (also 25.- EUR), die andere Hälfte übernimmt der Arbeitgeber, weil auch durch den Arbeitgeberzuschuss von 250.- EUR der Höchstbetrag noch nicht ausgeschöpft ist

Darüber hinaus sind die Beiträge für den Beitragsentlastungstarif steuerlich absetzbar.

Auch Selbständige und Freiberufler, die keinen Arbeitgeberzuschuss erhalten, sollten prüfen, ob sich ein Abschluss rentiert.

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