Dienstunfähigkeitsversicherung

3. März 2020

Ist der Neuabschluss einer Dienstunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Der Eintritt einer Dienstunfähigkeit aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls ist für Beamte auf Probe und auf Widerruf ein existenzbedrohendes Risiko. Sie werden aus dem Dienst entlassen und in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert. Bevor jedoch nicht eine Wartezeit von 60 Monaten erfüllt ist, haben sie auch dort noch keine Ansprüche. Daher ist gerade zu Beginn der Dienstzeit eine Dienstunfähigkeitsversicherung für diesen Personenkreis besonders wichtig.

Beamte auf Lebenszeit werden bei Eintritt einer Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt. Die Versorgung durch den Dienstherrn reicht gegebenenfalls jedoch nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten.

Die Dienstunfähigkeitsversicherung zahlt eine Rente (Dienstunfähigkeitsrente) für eine vorher festgelegte Dauer an den Versicherten, wenn dieser aufgrund einer medizinisch nachgewiesenen Dienstunfähigkeit von seinem Dienstherrn entlassen oder in den Ruhestand versetzt wird. Sie kann sowohl als separater Vertrag als auch als Zusatzversicherung zu einem anderen Vertrag, z.B. einer Rentenversicherung abgeschlossen werden. Dabei kann der Versicherte die Zahlung einer Dienstunfähigkeitsrente inklusive einer Befreiung von der Beitragszahlung oder nur die Befreiung von der Beitragszahlung vereinbaren.

Da der Eintritt einer Dienstunfähigkeit insbesondere für Beamte auf Widerruf und auf Probe gravierende Auswirkungen hat und die staatliche Unterstützung für Beamte auf Lebenszeit eher eine Grundversorgung darstellt, erachten wir den Abschluss einer Dienstunfähigkeitsversicherung für diese Personenkreise sowohl als separate als auch Zusatzversicherung als sehr sinnvoll.

Produktauswahl und Neuabschluss 

Auswahl des richtigen Produktes, worauf Sie beim Vergleich achten müssen

Grundsätzliches

Dienstunfähigkeitsversicherungen sind erklärungs- bzw. beratungsintensive Produkte, da der Umfang an Deckungen/Leistungen/Klauseln je nach Produkt und Anbieter sehr unterschiedlich sein kann und diese beim Eintritt einer Dienstunfähigkeit darüber entscheiden, ob ein Versicherer leistet oder nicht. Auch die Festlegung der Versicherungs- und Leistungsdauer zu Vertragsbeginn erfordert eine an den individuellen Bedürfnissen ausgerichtete Beratung, da die Beiträge stark ansteigen, wenn Versicherungs- und Leistungsdauern bis zum 67. Lebensjahr gewählt werden. Außerdem muss geklärt werden, ob der Versicherungsbedarf so lange besteht.

Bei einem Vergleich von Dienstunfähigkeitsversicherungen sollten die folgenden, wesentlichen Punkte berücksichtigt werden:

Die Höhe des zu zahlenden Beitrages hängt neben eventuellen Vorerkrankungen, die zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder einer Ablehnung des Antrags führen können, im Wesentlichen von den folgenden Merkmalen ab:

  • Alter
  • Ausgeübter Beruf
  • Akademiker: ja/nein
  • Anteil Bürotätigkeit
  • Größe und Gewicht (Body-Maß-Index – BMI)
  • Raucher/Nichtraucher

Da nicht immer alle diese Merkmale bei einem Versicherer abgefragt werden bzw. sich die Abfragen zwischen den Lebensversicherern leicht unterscheiden, kann ein vermeintlich teuerer Lebensversicherer beispielsweise für einzelne Versichertengruppen günstiger sein.

Es sollten garantierte Dienstunfähigkeitsrenten verglichen werden, da das auszuwählende Überschusssystem ebenfalls einen starken Einfluss auf die Beitragshöhe hat.

Am Markt werden häufig 2 Produktvarianten (z.B. Standard und Premium) angeboten mit denen der Versicherungsschutz einer Dienstunfähigkeitsversicherung bedarfsgerecht ausgewählt werden kann.

Wesentliche Prüfpunkte des Versicherungsschutzes im Vergleich
(aus unserer Sicht wichtige Deckungen/Leistungen)
  • Verzicht auf abstrakte Verweisung
  • Leistung bei dauerhafter und vorübergehender Dienstunfähigkeit
  • Volle Leistung bei Dienstunfähigkeit wegen Pflegebedürftigkeit 
  • Keine Beitragserhöhung bei Wechsel in einen risikoreicheren Beruf
  • Wiedereingliederungshilfe
  • Rückwirkende Leistung bei verspätetet gemeldeter Dienstunfähigkeit
  • Rückwirkende Leistung ab Beginn eines andauernden, ununterbrochenen Leistungsfalls
  • Nach Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit kann Laufzeit und/oder Höhe der Dienstunfähigkeitsrente ohne Gesundheitsprüfung angepasst werden 
  • Erhöhungsmöglichkeiten ohne erneute Gesundheitsprüfung bei besonderen Anlässen
  • Beitragsstundung während Mutterschutz und Erziehungszeiten
  • Beitragsfreistellung und Wiederaufnahme der Beitragszahlung innerhalb von 6 Monaten ohne Gesundheitsprüfung
  • Weltweiter Versicherungsschutz

Gesundheitsprüfung: Risikovoranfrage bei Vorerkrankungen nutzen 

Risikovoranfrage vor Antragstellung durchführen

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Vorerkrankungen/aktuellen Erkrankungen zu einer Ablehnung Ihres Antrages, zu einem Risikozuschlag oder Leistungsausschluss führen könnten, sollten Sie vor der Antragsstellung eine Risikovoranfrage mit einem Versicherungsexperten bei einem oder mehreren Lebensversicherern anonym unter Angabe Ihres Gesundheitszustandes stellen. Die Risikovoranfrage ist eine Art „ anonymisierter Probeantrag“. So wissen Sie anschließend konkret, ob einer der Lebensversicherer Ihren Antrag annimmt und wenn ja, zu welchen Konditionen, d.h. mit/ohne Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen.

Des Weiteren hat dies den Vorteil, dass Sie trotz der Ablehnung einer oder mehrerer Versicherer noch eine Dienstunfähigkeitsversicherung bei einem anderen Lebensversicherer bekommen können. Im Antrag wird in der Regel danach gefragt, ob bereits einmal ein Antrag auf Dienstunfähigkeitsversicherung abgelehnt worden ist.

Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten

Gesundheitsfragen sollten Sie immer wahrheitsgemäß und vollständig beantworten. 

Bei grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten bzw. diesen bei arglistiger Täuschung anfechten.

Wie Sie Beiträge schon bei Vertragsabschluss sparen

Beitragsverrechnung als Überschusssystem auswählen

Im Wesentlichen werden die folgenden Überschusssysteme am Markt angeboten, die bei Vertragsabschluss ausgewählt werden können:

Beitragsverrechnung
Die Überschüsse dienen dazu, die Beitragshöhe zu reduzieren.

Bonusrente
Im Falle der Dienstunfähigkeit wird zu der garantierten Dienstunfähigkeitsrente eine zusätzliche Bonusrente aus den Überschüssen gezahlt.

Verzinsliche Ansammlung
Die Überschüsse werden verzinslich angesammelt und im Leistungsfall oder bei Vertragsablauf ausgezahlt.

Investmentbonus
Die Überschüsse werden in Investmentfonds angelegt und im Leistungsfall oder bei Vertragsablauf ausgezahlt.

Durch Auswahl des Überschusssystems der Beitragsverrechnung erhalten Sie die gewünschte garantierte Dienstunfähigkeitsrente zum günstigsten Beitrag.

Vertragslaufzeit nicht zu lang wählen

Die Vertragslaufzeit sollte nicht zu lang gewählt werden, da zum einen der Beitrag mit zunehmendem Endalter deutlich ansteigt und zum anderen auch der Versicherungsbedarf oftmals nicht bis zur Pensionierung besteht. 

Zahlweise des Vertrags entsprechend auswählen

Wenn Sie Ihre Beiträge anstatt monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Besondere Tarife/Rabatte anfragen

Z.B. für junge Beamte, bestimmte Berufsgruppen oder Mitgliedschaften in Verbänden gibt es oftmals besondere Tarife/Rabatte. 

Fragen Sie bei einem Versicherungsexperten an, ob auch für Sie einer dieser Tarife/Rabatte Anwendung finden kann. Es sind Rabatte von 2% - 10% möglich.

Optimierung Ihres bereits bestehenden Vertrags 

Ihren Vertrag an sich ändernde Lebenssituationen anpassen

Mit zunehmendem Alter werden verschiedene Lebensphasen (z.B. Diensteinstieg, Familiengründung, Hausbau etc.) durchlaufen. Diese Phasen erfordern oftmals eine Anpassung des Versicherungsbedarfs. Daher empfiehlt es sich regelmäßig (mind. jährlich) die Dienstunfähigkeitsversicherung auf Anpassungsbedarfe hin zu überprüfen. 

Wichtige Fragestellung:

Ist die aktuell vereinbarte Dienstunfähigkeitsrente noch ausreichend oder mittlerweile zu hoch?

  • Z.B. Erhöhung der Dienstunfähigkeitsrente ohne Gesundheitsprüfung (Nachversicherungsgarantie), da gerade ein Kind geboren wurde 
  • Reduzierung der Dienstunfähigkeitsrente, da z.B. die Kinder mittlerweile ausgezogen sind und das Darlehen für das Haus fast vollständig getilgt wurde
Dynamische Erhöhungsoption (Dynamik) prüfen

Sofern bei Vertragsabschluss eine dynamische Erhöhungsoption (Dynamik) in Ihrer Dienstunfähigkeitsversicherung eingeschlossen worden ist, sollte spätestens ab dem 40. Lebensjahr jährlich überprüft werden, ob eine Dynamik noch sinnvoll bzw. rentabel ist, da sich die dynamische Erhöhungsleistung (= zusätzliche Dienstunfähigkeitsrente) immer nach dem aktuellen Alter des Versicherten bemisst. Das heißt je älter Sie werden, desto geringer fällt die zusätzliche dynamische Dienstunfähigkeitsrente im Verhältnis zu dem zusätzlichen Beitrag aus, der im Rahmen der dynamischen Erhöhung gezahlt werden muss.

Überschusssystem umstellen

In der Dienstunfähigkeitsversicherung werden/wurden am Markt im Wesentlichen die folgenden Überschusssysteme angeboten:

Beitragsverrechnung
Die Überschüsse dienen dazu, die Beitragshöhe zu reduzieren.

Bonusrente
Im Falle der Dienstunfähigkeit wird zu der garantierten Dienstunfähigkeitsrente eine zusätzliche Bonusrente aus den Überschüssen gezahlt.

Verzinsliche Ansammlung
Die Überschüsse werden verzinslich angesammelt und im Leistungsfall oder bei Vertragsablauf ausgezahlt.

Investmentbonus
Die Überschüsse werden in Investmentfonds angelegt und im Leistungsfall oder bei Vertragsablauf ausgezahlt.

Durch Umstellung des Überschusssystems auf Beitragsverrechnung erhalten Sie die gewünschte garantierte Dienstunfähigkeitsrente zum günstigsten Beitrag.

Zahlweise des Vertrags ändern, um Beiträge zu sparen

Wenn Sie Ihre Beiträge anstatt monatlich zukünftig, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Möglichkeiten bei Zahlungsengpässen, Mutterschutz und Erziehungszeiten

Eine rechtzeitige Beratung vor Eintritt eines Zahlungsengpasses, Mutterschutz und Erziehungszeit durch einen Versicherungsexperten oder direkt durch den Versicherer ist sinnvoll, um zu klären, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Zahlungspause möglich ist. Bei einer Nichtzahlung der Beiträge wird der Lebensversicherer ansonsten den Vertrag kündigen und der Versicherungsschutz erlischt. 

Stundung der Beiträge

In der Regel bieten Versicherer die Möglichkeit einer Zahlungspause bei vollem Versicherungsschutz bis zu ca. 2 Jahren an. Ggf. fallen dafür Stundungszinsen an. Die gestundeten Beiträge müssen anschließend nachgezahlt werden oder die Dienstunfähigkeitsrente wird entsprechend reduziert.

Beitragsfreistellung

Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit einer Beitragsfreistellung. Sofern bei einer Beitragsfreistellung die Zahlung wieder innerhalb von 6 Monaten ab Beitragsfreistellung aufgenommen wird, erfolgt in der Regel keine erneute Gesundheitsprüfung.

Beitragsreduktion 

Die Höhe des Versicherungsbeitrags für die Dienstunfähigkeitsversicherung kann jederzeit reduziert werden. Die Höhe der Dienstunfähigkeitsrente reduziert sich entsprechend.

Was Sie bei Eintritt eines Leistungsfalls beachten sollten

Grundsätzliches

Im Falle einer Dienstunfähigkeit muss dem Versicherer schnellstmöglich die Bescheinigung des Dienstherrn über die Dienstunfähigkeit eingereicht werden.

Kündigung Ihres Vertrags

Kündigungsfristen

Eine Dienstunfähigkeitsversicherung kann schriftlich zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode gekündigt werden.

Ein Gespräch mit einem Versicherungsexperten vor einer Kündigung des Vertrags erachten wir als sinnvoll.

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