Grundfähigkeitsversicherung

9. Januar 2021

Ist der Neuabschluss einer Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Die starke Beeinträchtigung oder der Verlust wesentlicher körperlicher und geistiger Fähigkeiten (z.B. Gebrauch der Arme, Gebrauch der Hand, Sehen, Sprechen, Hören etc.) durch eine schwere Krankheit oder einen Unfall ist ein existenzbedrohendes Lebensrisiko. Insbesondere, wenn der Beruf längerfristig oder gar nicht mehr ausgeübt werden kann, entstehen nach kurzer Zeit finanzielle Engpässe, die kompensiert werden müssen, damit der gewohnte Lebensstandard beibehalten werden kann. Die staatliche Erwerbsminderungsrente, sofern überhaupt ein Anspruch darauf besteht (z.B. Selbständige und Berufsanfänger haben keine Ansprüche), fällt in der Regel zu gering aus und auch die Leistungen der gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Pflegeversicherung sind nicht ausreichend, um diese Lücken zu schließen.

Eine Grundfähigkeitsversicherung zahlt eine vereinbarte Rente, wenn der Versicherte aufgrund einer schweren Krankheit oder wegen eines Unfalls mindestens einer der definierten elementaren körperlichen oder geistigen Fähigkeiten verliert bzw. diese stark beeinträchtigt sind. Voraussetzung für die Leistungserbringung ist, dass der Verlust der definierten Grundfähigkeit voraussichtlich 6 Monate (bei vielen Versicherern 12 Monate) ununterbrochen vorliegen wird oder schon seit 6 Monaten bestanden hat. Die Rente wird für die Dauer der Beeinträchtigung bzw. bis zum Ende der Vertragslaufzeit gezahlt. Die Zahlung erfolgt unabhängig davon, ob der Beruf noch ausgeübt werden kann oder nicht. Bei Eintritt eines Leistungsfalls entfällt zudem Beitragszahlung für den Versicherten.

Die folgenden Grundfähigkeiten sind bei nahezu allen Versicherern als Basisschutz abgesichert:

• Arme gebrauchen
• Hand gebrauchen
• Heben und Tragen
• Gehen
• Knien und Bücken
• Sitzen
• Stehen
• Sehen
• Hören
• Sprechen

Weitere Grundfähigkeiten, wie z.B. Auto fahren, geistige Leistungsfähigkeit etc. können hinzuversichert werden. Einige Versicherer bieten darüber hinaus die Option den Eintritt schwerer Krankheiten zusätzlich abzusichern. Wenn eine dieser definierten Krankheiten diagnostiziert wird, wird eine einmalige vorher vereinbarte Kapitalleistung erbracht, die zur freien Verwendung steht. Damit können dann z.B. moderne Behandlungs- und Therapiemethoden finanziert werden.

Unseres Erachtens ist die Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll für Personenkreise, die in ihrem Beruf überwiegend körperlich und handwerklich tätig sind, künstlerisch arbeiten oder professionell Sport betreiben.

Im Vergleich zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder Schwere Krankheiten Vorsorge ist die Gesundheitsprüfung wesentlich einfacher und die Beiträge günstiger. Daher ist sie insbesondere für die genannten Personenkreise eine geeignete Alternative, wenn keine Berufsunfähigkeitsversicherung oder ggf. auch keine Schwere Krankheiten Vorsorge abgeschlossen werden konnte, weil entweder Vorerkrankungen zu einer Antragsablehnung führten oder die Beiträge nicht dauerhaft finanziell zu stemmen waren.

Die wichtigsten Tipps im Detail erläutern wir Ihnen nun in unserem Fachbeitrag:

Produktauswahl und Neuabschluss einer Grundfähigkeitsversicherung

Auswahl des richtigen Produktes, worauf Sie beim Vergleich einer Grundfähigkeitsversicherung achten müssen

Grundsätzliches

Grundfähigkeitsversicherungen sind erklärungs- bzw. beratungsintensive Produkte, da der Umfang an Deckungen/Leistungen/Klauseln je nach Produkt und Anbieter sehr unterschiedlich sein kann und diese beim Verlust einer Grundfähigkeit darüber entscheiden, ob ein Versicherer leistet oder nicht. 

Auch die Festlegung der Versicherungs- und Leistungsdauer zu Vertragsbeginn erfordert eine an den individuellen Bedürfnissen ausgerichtete Beratung, da die Beiträge stark ansteigen, wenn Versicherungs- und Leistungsdauern bis zum 67. Lebensjahr gewählt werden. Außerdem muss geklärt werden, ob der Versicherungsbedarf so lange besteht.

Bei einem Vergleich von Grundfähigkeitsversicherungen sollten die folgenden, wesentlichen Punkte berücksichtigt werden:

Die Höhe des zu zahlenden Beitrages hängt neben eventuellen Vorerkrankungen, die zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder einer Ablehnung des Antrags führen können, im Wesentlichen von den folgenden Merkmalen ab:

  • Alter
  • Ausgeübter Beruf
  • Akademiker: ja/nein
  • Größe und Gewicht (Body-Maß-Index – BMI)

Da nicht immer alle diese Merkmale bei einem Versicherer abgefragt werden bzw. sich die Abfragen zwischen den Lebensversicherern leicht unterscheiden, kann ein vermeintlich teuerer Lebensversicherer beispielsweise für einzelne Versichertengruppen günstiger sein.

Es sollten garantierte Grundfähigkeitsrenten verglichen werden, da das auszuwählende Überschusssystem ebenfalls einen starken Einfluss auf die Beitragshöhe hat.

Am Markt werden teilweise 2-3 Produktvarianten (z.B. Basis, Komfort und Premium) angeboten mit denen der Versicherungsschutz bedarfsgerecht verbessert werden kann.

Wesentliche Prüfpunkte des Versicherungsschutzes im Vergleich
(aus unserer Sicht wichtige Deckungen/Leistungen)
  • Leistung schon ab einer prognostizierten starken Beeinträchtigung/einem Verlust der Grundfähigkeiten von voraussichtlich 6 Monaten oder wenn diese schon 6 Monate bestanden hat
  • Leistung auch bei Eintritt Pflegebedürftigkeit (mindestens Pflegegrad 2) auch ohne Beeinträchtigung/Verlust einer der definierten Grundfähigkeiten
  • Keine Beitragserhöhung bei Wechsel in einen risikoreicheren Beruf
  • Erhöhungsmöglichkeiten (Nachversicherungsgarantie) ohne erneute Gesundheitsprüfung bei besonderen Anlässen, z.B. Heirat, Geburt eines Kindes etc.
  • Umtauschoption in eine Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Vereinbarung individueller Zahlpausen bei finanziellen Engpässen
  • Weltweiter Versicherungsschutz
  • Einschluss von Zusatzversicherungen, z.B.: Schutz beim Eintritt einer schweren Krankheit oder Absicherung einer schweren psychischen Erkrankung 

Gesundheitsprüfung Grundfähigkeitsversicherung: Risikovoranfrage bei Vorerkrankungen nutzen 

Risikovoranfrage vor Antragstellung durchführen

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Vorerkrankungen/aktuellen Erkrankungen zu einer Ablehnung Ihres Antrages, zu einem Risikozuschlag oder Leistungsausschluss führen könnten, sollten Sie vor der Antragsstellung eine Risikovoranfrage mit einem Versicherungsexperten bei einem oder mehreren Versicherern anonym unter Angabe Ihres Gesundheitszustandes stellen. Die Risikovoranfrage für Ihre Grundfähigkeitsversicherung ist eine Art „ anonymisierter Probeantrag“. So wissen Sie anschließend konkret, ob einer der Versicherer Ihren Antrag annimmt und wenn ja, zu welchen Konditionen, d.h. mit/ohne Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen.

Des Weiteren hat dies den Vorteil, dass Sie trotz der Ablehnung einer oder mehrerer Versicherer noch eine Grundfähigkeitsversicherung bei einem anderen Versicherer bekommen können. Im Antrag wird in der Regel danach gefragt, ob bereits einmal ein Antrag auf Grundfähigkeitsversicherung abgelehnt worden ist.

Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten

Gesundheitsfragen sollten Sie immer wahrheitsgemäß und vollständig beantworten. 

Bei grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten bzw. diesen bei arglistiger Täuschung anfechten.

Wie Sie Beiträge für Ihre Grundfähigkeitsversicherung schon bei Vertragsabschluss sparen

Beitragsverrechnung als Überschusssystem auswählen

Im Wesentlichen werden die folgenden Überschusssysteme für die Grundfähigkeitsversicherung am Markt angeboten, die bei Vertragsabschluss ausgewählt werden können (die Bezeichnung für die Überschusssysteme kann von Versicherer zu Versicherer variieren):

Beitragsverrechnung
Die Überschüsse dienen dazu, die Beitragshöhe zu reduzieren.

Bonusrente
Im Leistungsfall wird zu der garantierten Grundfähigkeitsrente eine zusätzliche Bonusrente aus den Überschüssen gezahlt.

Durch Auswahl des Überschusssystems der Beitragsverrechnung erhalten Sie die gewünschte garantierte Grundfähigkeitsrente zum günstigsten Beitrag.

Vertragslaufzeit nicht zu lang wählen

Die Vertragslaufzeit für Ihre Grundfähigkeitsversicherung sollte nicht zu lang gewählt werden, da zum einen der Beitrag mit zunehmendem Endalter deutlich ansteigt und zum anderen auch der Versicherungsbedarf oftmals nicht bis zum Renteneintritt besteht. 

Zahlweise des Vertrags entsprechend auswählen

Wenn Sie Ihre Beiträge für Ihre Grundfähigkeitsversicherung anstatt monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Besondere Tarife/Rabatte anfragen

Für besondere Personenkreise, z.B. Auszubildende, Studenten, Akademiker, Beamte oder Mitglieder in Verbänden etc. gibt es oftmals besondere Tarife/Rabatte. Fragen Sie bei einem Versicherungsexperten an, ob auch für Sie einer dieser Tarife/Rabatte Anwendung finden kann. Es sind Rabatte von 2% - 10% möglich.

Optimierung Ihrer bereits bestehenden Grundfähigkeitsversicherung

Ihren Vertrag an sich ändernde Lebenssituationen anpassen

Mit zunehmendem Alter werden verschiedene Lebensphasen (z.B. Berufseinstieg, Familiengründung, Hausbau etc.) durchlaufen. Diese Phasen erfordern oftmals eine Anpassung des Versicherungsbedarfs. Daher empfiehlt es sich regelmäßig (mind. jährlich) die Grundfähigkeitsversicherung auf Anpassungsbedarfe hin zu überprüfen. 

Wichtige exemplarische Fragestellungen:

Ist die aktuell vereinbarte Grundfähigkeitsrente noch ausreichend oder mittlerweile zu hoch?

  • Z.B. Erhöhung der Grundfähigkeitsrente ohne Gesundheitsprüfung (Nachversicherungsgarantie), da gerade ein Kind geboren wurde 
  • Reduzierung der Grundfähigkeitsrente, da z.B. die Kinder mittlerweile ausgezogen sind und das Darlehen für das Haus fast vollständig getilgt wurde

Ist es sinnvoll eine Zusatzversicherung zur Absicherung des Eintritts einer schweren Krankheit oder einer psychischen Erkrankung einzuschließen?

Dynamische Erhöhungsoption (Dynamik) prüfen

Sofern bei Vertragsabschluss eine dynamische Erhöhungsoption (Dynamik) in Ihrer Grundfähigkeitsversicherung eingeschlossen worden ist, sollte spätestens ab dem 40. Lebensjahr jährlich überprüft werden, ob eine Dynamik noch sinnvoll bzw. rentabel ist, da sich die dynamische Erhöhungsleistung (= zusätzliche Grundfähigkeitsrente) immer nach dem aktuellen Alter des Versicherten bemisst. Das heißt je älter Sie werden, desto geringer fällt die zusätzliche dynamische Grundfähigkeitsrente im Verhältnis zu dem zusätzlichen Beitrag aus, der im Rahmen der dynamischen Erhöhung gezahlt werden muss.

Überschusssystem umstellen

Im Wesentlichen werden die folgenden Überschusssysteme für die Grundfähigkeitsversicherung am Markt angeboten, die bei Vertragsabschluss ausgewählt werden können (die Bezeichnung für die Überschusssysteme kann von Versicherer zu Versicherer variieren):

Beitragsverrechnung
Die Überschüsse dienen dazu, die Beitragshöhe zu reduzieren.

Bonusrente
Im Leistungsfall wird zu der garantierten Grundfähigkeitsrente eine zusätzliche Bonusrente aus den Überschüssen gezahlt.

Durch Auswahl des Überschusssystems der Beitragsverrechnung erhalten Sie die gewünschte garantierte Grundfähigkeitsrente zum günstigsten Beitrag.

Zahlweise des Vertrags ändern, um Beiträge zu sparen

Wenn Sie Ihre Beiträge anstatt monatlich zukünftig, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Grundfähigkeitsversicherung - Möglichkeiten zur Überbrückung von Zahlungsschwierigkeiten

Eine rechtzeitige Beratung vor Eintritt des Zahlungsengpasses durch einen Versicherungsexperten oder direkt durch den Versicherer ist sinnvoll, um zu klären, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Zahlungspause möglich ist. Bei einer Nichtzahlung der Beiträge wird der Versicherer ansonsten die Grundfähigkeitsversicherung kündigen und der Versicherungsschutz erlischt.

Stundung der Beiträge

In der Regel bieten die Versicherer für die Grundfähigkeitsversicherung eine Beitragsstundung bzw. Zahlungspause von bis zu ca. 2 Jahren bei vollem Versicherungsschutz an. Ggf. müssen Stundungszinsen entrichtet werden. Die Beiträge müssen anschließend nachgezahlt werden oder die Grundfähigkeitsrente wird entsprechend reduziert. 

Beitragsreduktion 

Die Höhe des Versicherungsbeitrags für die Grundfähigkeitsversicherung kann jederzeit reduziert werden. Die Höhe der Grundfähigkeitsrente reduziert sich entsprechend.

Grundfähigkeitsversicherung - Was Sie bei Eintritt eines Leistungsfalls beachten sollten

Grundsätzliches

Wenn ein Arzt eine voraussichtliche starke Beeinträchtigung bzw. den Verlust einer Grundfähigkeit von mindestens 6 Monaten prognostiziert hat oder diese bereits seit 6 Monaten besteht, sollte der Versicherer telefonisch oder schriftlich informiert werden. Ihnen wird dann ein Leistungsantrag zur Prüfung einer Leistungspflicht bzw. Zahlung einer Grundfähigkeitsrente zugesandt. 

Experten für die Stellung eines Leistungsantrages beauftragen?!

Das selbständige Stellen eines Leistungsantrags zur Feststellung einer Leistungspflicht durch den Versicherer, ist für Laien nicht einfach. Es besteht die Gefahr dabei Fehler zu machen, die zu einer Leistungsablehnung führen können.

Es gibt mittlerweile Experten/Unternehmen/Kanzleien am Markt, die sich auf das Stellen von Leistungsanträgen für Privatpersonen spezialisiert und entsprechendes Know-how diesbezüglich aufgebaut haben. Diese übernehmen bei Bedarf auch die gesamte Korrespondenz mit dem Versicherer bis zur vollständigen Abwicklung des Leistungsfalls. Des Weiteren können diese oftmals bereits eine erste Einschätzung über die Erfolgsaussichten eines Leistungsantrags abgeben.

Kündigung Ihrer Grundfähigkeitsversicherung

Kündigungsfristen

Eine Grundfähigkeitsversicherung kann schriftlich zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode gekündigt werden.

Ein Gespräch mit einem Versicherungsexperten vor einer Kündigung des Vertrags erachten wir als sinnvoll.

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