Krankentagegeldversicherung

13. Februar 2021

Ist der Neuabschluss einer Krankentagegeldversicherung sinnvoll?

Die Krankentagegeldversicherung ist eine sehr wichtige Zusatzversicherung zur Privaten Krankenversicherung.

Im Fall einer längeren Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls sichert die Krankentagegeldversicherung einen daraus entstehenden Verdienstausfall ab. Sie zahlt (unter Berücksichtigung von ggf. sonstigen Tagegeldern) für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit ein individuell vereinbartes Krankentagegeld bis zu 100% des Nettoeinkommens. Das Krankentagegeld wird so lange gezahlt, bis die Arbeit wieder aufgenommen werden kann oder eine Berufsunfähigkeit festgestellt wird. Es wird für jeden Kalendertag, auch für Sonn- und Feiertage, gezahlt und ist zudem steuerfrei.

Arbeitnehmer erhalten im Falle einer Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich eine Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber bis zu maximal 42 Tagen (6 Wochen). Daher leistet die Krankentageversicherung für Arbeitnehmer das vereinbarte Tagegeld in der Regel frühestens erst ab 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit, um den Einkommensausfall abzusichern. Der Beitrag für das Krankentagegeld wird zu 50% durch den Arbeitgeber im Rahmen der Höchstgrenzen bezuschusst.

Für Selbständige und Freiberufler ist der Abschluss einer Krankentagegeldversicherung noch wichtiger als für Arbeitnehmer, da für sie der Verdienstausfall bereits ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit eintritt. Sie können daher optional schon ab dem 8., 15., 22. oder 29. Tag der Arbeitsunfähigkeit die Zahlung eines Krankentagegelds vereinbaren. Längere Karenzzeiten (leistungsfreie Zeit zu Beginn der Arbeitsunfähigkeit) sind auch möglich.

Sowohl für Arbeitnehmer als auch für Selbständige und Freiberufler ist der Abschluss eines bedarfsgerechten Krankentagegelds zur Private Krankenversicherung dringend zu empfehlen.

Die wichtigsten Tipps finden Sie nun in unserem Fachbeitrag:

Zu Beachten bei einem Neuabschluss einer Krankentagegeldversicherung

Die Höhe des Krankentagegelds, dass je Kalendertag geleistet wird, darf zusammen mit sonstigen Krankentage- und Krankengeldern das berufliche Nettoeinkommen nicht übersteigen. Maßgebend für das Nettoeinkommen ist der Durchschnittsverdienst der letzten 12 Monate vor Antragstellung bzw. vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit.

Je kürzer die vereinbarte Karenzzeit (leistungsfreie Zeit zu Beginn der Arbeitsunfähigkeit), desto höher ist der Beitrag für das versicherte Krankentagegeld. Insbesondere Selbständige und Freiberufler müssen daher eine Balance zwischen der Absicherung eines existenzbedrohenden Verdienstausfalls und langfristig bezahlbaren Beiträgen finden.

Die folgenden Tipps beziehen sich ausschließlich auf die Krankentagegeldversicherung für privat Krankenversicherte. Die wichtigsten Tipps zur Krankentagegeldversicherung als Krankenzusatzversicherung für gesetzlich Krankenversicherte (GKV), finden Sie in einem separaten Fachbeitrag, hier: Krankentagegeldversicherung (GKV).

Optimierung Ihrer bereits bestehenden Krankentagegeldversicherung

Erhöhung des vereinbarten Krankentagegelds

In der Regel ist es möglich bei individuell im Vertrag definierten Anlässen z.B. bei einer Gehaltserhöhung oder einem Wechsel des Arbeitgebers die Höhe des Krankentagegelds ohne erneute Gesundheitsprüfung individuell anpassen.

Darüber hinaus kann das Krankentagegeld auch im Rahmen von Erhöhungsaktionen, die gewöhnlich alle 2-3 Jahre stattfinden ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöht werden.

Reduzierung des vereinbarten Krankentagegelds

Es ist jederzeit möglich das Krankentagegeld und damit den Beitrag zu reduzieren.

Krankentagegeldversicherung - zur Beachtung beim Eintritt eines Leistungsfalls

Meldung des Leistungsfalls beim Krankenversicherer

Informieren Sie Ihren Krankenversicherer telefonisch oder schriftlich im Fall des Eintritts einer Arbeitsunfähigkeit („Krankschreibung“). Idealerweise unverzüglich schon innerhalb der Karenzzeit, spätestens jedoch bis zum ersten Tag, für den Ihr Anspruch auf Krankentagegeld besteht.

Prüfung Ihrer Leistungsansprüche

Zur Prüfung Ihrer Leistungsansprüche sendet Ihnen Ihr Krankenversicherer ein Formular zum Nachweis der Arbeitsunfähigkeit („Pendelattest“) zu. Dieses Formular muss von Ihrem Arzt ausgefüllt und dann von Ihnen an Ihren Krankenversicherer zurückgesandt werden, damit Sie Ihren Anspruch auf Krankentagegeld geltend machen können.

Im Falle der Ablehnung einer Zahlung des Krankentagegelds durch Ihren Krankenversicherer

Lehnt der Krankenversicherer die Zahlung des vereinbarten Krankentagegelds aus Ihrer Sicht unberechtigt ab, gibt es u.a. die Möglichkeit den Ombudsmann für die private Kranken- und Pflegeversicherung einzuschalten:

OMBUDSMANN
Private Kranken- und Pflegeversicherung
Postfach 06 02 22
10052 Berlin
Telefon: 0800 2 55 04 44 (kostenfrei aus deutschen Telefonnetzen)
Telefax: 030 20 45 89 31
E-Mail: ombudsmann@pkv-ombudsmann.de

Des Weiteren können sie auch eine auf solche Fälle spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei mit einer Prüfung beauftragen. Oftmals ist durch diese bereits eine kostenfreie Ersteinschätzung möglich.

Regelmäßige medizinische Prüfung während des Bezugs des Krankentagegelds

Die Auszahlung des Krankentagegelds erfolgt ohne eine zeitliche Begrenzung, solange die Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Daher muss dem Krankenversicherer eine fortdauernde Arbeitsunfähigkeit regelmäßig innerhalb einer bestimmten Frist durch den behandelnden Arzt bestätigt werden.

Die Länge der Frist hängt davon ab, was vertraglich im Tarif vereinbart wurde. Viele Krankenversicherer vereinbaren vertraglich als Mitwirkungspflicht eine Frist von 14 Tagen. Dies bedeutet, dass der Versicherte alle 14 Tage den behandelnden Arzt besuchen muss, damit dieser über ein sogenanntes „Pendelattest“ eine fortbestehende Arbeitsunfähigkeit bestätigen kann. Der Versicherte sendet dann das Pendelattest an den Krankenversicherer, damit dieser weiter das vereinbarte Krankentagegeld leistet.

Die Bezeichnung Pendelattest kommt daher, dass dieses Formular regelmäßig (z.B. alle 14 Tage) zwischen dem Versicherten und dem Krankenversicherer hin und her pendelt, um die fortdauernde Arbeitsunfähigkeit ärztlich zu attestieren zu lassen.

Ende des Anspruchs auf Krankentagegeld

Sofern Ihr Arzt bestätigt, dass Sie wieder in der Lage sind (teilweise) zu arbeiten oder eine Berufsunfähigkeit eintritt, endet der Anspruch auf das Krankentagegeld.

Kündigung einer Krankentagegeldversicherung bzw. Eintritt der Versicherungspflicht in der GKV

Ordentliche Kündigung Ihrer Krankentagegeldversicherung

Sie können Ihre Krankentagegeldversicherung zum Ende eines jeden Versicherungsjahres unter Einhaltung einer Frist von 3 Monaten kündigen.

Außerordentliche Kündigung/Sonderkündigungsrechte Ihrer Krankentagegeldversicherung

Ein Sonderkündigungsrecht bei Ihrer Krankentagegeldversicherung steht Ihnen u.a. zu bei:

  • Einer Beitragserhöhung - Kündigungsfrist: 2 Monate ab Erhalt der Änderungsmitteilung
  • Eintritt einer Berufsunfähigkeit - der Vertrag endet spätestens innerhalb von 3 Monaten nach Eintritt der Berufsunfähigkeit
  • Wegzug in einen Staat außerhalb der Europäischen Union bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums
  • Eintritt der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)- Kündigung zum Eintritt der Versicherungspflicht, auch noch rückwirkend innerhalb von 3 Monaten nach Eintritt der Versicherungspflicht möglich
Tipp für den Eintritt einer Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)

Sofern eine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eintritt, kann die Krankentagegeldversicherung außerordentlich gekündigt werden. Es ist jedoch sinnvoll das Krankentagegeld auch als gesetzlich Versicherter weiter fortzuführen, da die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht ausreichen, um den bisherigen Lebensstandard aufrechterhalten.

Dies liegt daran, dass das die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erst ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit ein Krankentagegeld zahlt (längstens für 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren), das jedoch auf 70% des Bruttoeinkommens bzw. maximal 90% des Nettoeinkommens begrenzt ist. Das Höchstkrankengeld ist zusätzlich gedeckelt mit einem Tagessatz von 112,88 Euro (Wert 2021). Davon gehen dann noch Beiträge für die gesetzliche Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab. Dadurch entsteht eine deutliche Lücke zum aktuellen Einkommen, insbesondere für Besserverdiener.

Diese Einkommenslücke kann leicht geschlossen werden, indem lediglich die Höhe des aktuell vereinbarten Krankentagegeldes so gesenkt wird, dass es zusammen mit dem gesetzlichen Krankengeld (sowie ggf. sonstigen Tagegeldern) das volle Nettoeinkommen absichert.

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