Krankentagegeldversicherung für gesetzlich Versicherte (GKV)

16. Januar 2021

Ist der Abschluss einer Krankentagegeldversicherung (Ergänzung zur GKV) sinnvoll?

Die Krankentagegeldversicherung ist eine sinnvolle Krankenzusatzversicherung für gesetzlich Krankenversicherte (GKV). Gesetzlich versicherte Arbeitnehmer erhalten im Falle einer Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls grundsätzlich eine Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber bis zu maximal 42 Tagen (6 Wochen). Im Fall einer längeren Arbeitsunfähigkeit, die über 42 Tage hinausgeht, springt dann die gesetzliche Krankenversicherung ein.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zahlt ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit ein Krankentagegeld (längstens für 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren), das jedoch auf 70% des Bruttoeinkommens bzw. maximal 90% des Nettoeinkommens begrenzt ist. Das Höchstkrankengeld ist zusätzlich gedeckelt mit einem Tagessatz von 112,88 Euro (Wert 2021). Davon gehen dann noch Beiträge für die gesetzliche Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab. Dadurch entsteht eine deutliche Lücke zum aktuellen Einkommen, insbesondere für Besserverdiener.

Diese Einkommenslücke kann mit einer Krankentagegeldversicherung vollständig bis zu 100% des bisherigen Nettoeinkommens geschlossen werden.

Selbständige und Freiberufler, die gesetzlich krankenversichert sind, können entweder ein Krankengeld über Ihre gesetzliche Krankenversicherung oder eine Krankentagegeldversicherung über ein privates Krankenversicherungsunternehmen abschließen, um einen Verdienstausfall durch Arbeitsunfähigkeit zu auszugleichen. Im ersteren Fall sollte geprüft werden, ob eine Einkommenslücke im Falle einer Arbeitsunfähigkeit besteht und wie hoch diese ist. Diese kann durch den Abschluss einer Krankentagegeldversicherung bei einem privaten Krankenversicherer geschlossen werden.

Fazit: Insbesondere für Besserverdienende, gesetzlich versicherte Arbeitnehmer, Selbständige und Freiberufler ist der Abschluss eines bedarfsgerechten Krankentagegelds zur Schließung von Einkommenslücken sinnvoll.

Produktauswahl und Neuabschluss einer Krankentagegeldversicherung 

Auswahl des richtigen Produktes, worauf Sie beim Vergleich achten müssen

Grundsätzliches

Die Höhe des Krankentagegelds, dass je Kalendertag geleistet wird, darf zusammen mit sonstigen Krankentage- und Krankengeldern das berufliche Nettoeinkommen nicht übersteigen. Maßgebend für das Nettoeinkommen ist der Durchschnittsverdienst der letzten 12 Monate vor Antragstellung bzw. vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit.

Für Selbständige und Freiberufler gilt, je kürzer die Karenzzeit, desto höher ist der Beitrag für das versicherte Krankentagegeld. Daher müssen insbesondere diese Personenkreise eine bedarfsgerechte Balance zwischen der Absicherung eines existenzbedrohenden Verdienstausfalls und langfristig bezahlbaren Beiträgen finden.

Wesentliche Prüfpunkte des Versicherungsschutzes im Vergleich

Die Krankentagegeldversicherungen am Markt sind sich sehr ähnlich in ihren Leistungen. Auf Folgendes sollte jedoch geachtet werden bzw. ist interessant:

Kalkulation der Krankentagegeldversicherung nach Art der Lebensversicherung oder nach Art der Schadenversicherung?

  • Bei der Kalkulation nach Art der Lebensversicherung bleibt, zumindest theoretisch, der Beitrag bis zum Vertragsende in gleicher Höhe bestehen. Es sind jedoch Beitragsanpassungen während der Vertragslaufzeit möglich, z.B. dadurch, wenn die Leistungsausgaben deutlich höher ausfallen als im Beitrag kalkuliert war
  • Wurde die Krankentagegeldversicherung nach Art der Schadenversicherung kalkuliert, steigen die Beiträge mit zunehmendem Alter an. In der Regel können Sie bereits zu Vertragsabschluss sehen, welche Altersgruppen es gibt und wie hoch die Beitragserhöhungen ausfallen, wenn Sie in die nächsthöhere Gruppe kommen.

Wichtige Leistungen:

  • Zahlung ohne zeitliche Begrenzung
  • Leistung auch bei Wiedereingliederung in den Beruf
  • Erhöhung des Krankentagegelds bei Gehaltserhöhung ohne erneute Gesundheitsprüfung
  • Weiterzahlung des Krankentagegelds bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung für einen bestimmten Zeitraum in gewissen prozentualen Abstufungen
  • Verdopplung des Krankentagegeldes nach Ende der Höchstbezugsdauer der GKV für maximal 12 Monate

Gesundheitsprüfung: Risikovoranfrage bei Vorerkrankungen nutzen

Risikovoranfrage vor Antragstellung durchführen

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Vorerkrankungen/aktuellen Erkrankungen zu einer Ablehnung Ihres Antrages, zu einem Risikozuschlag oder Leistungsausschluss führen könnten, sollten Sie vor der Antragsstellung eine Risikovoranfrage mit einem Versicherungsexperten bei einem oder mehreren Krankenversicherern anonym unter Angabe Ihres Gesundheitszustandes stellen. Die Risikovoranfrage ist eine Art „anonymer Probeantrag“.

So wissen Sie anschließend konkret, ob einer der Krankenversicherer Ihren Antrag annimmt und wenn ja, zu welchen Konditionen, d.h. mit/ohne Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen.

Des Weiteren hat dies den Vorteil, dass Sie trotz der Ablehnung einer oder mehrerer Versicherer noch eine Krankentagegeldversicherung bei einem anderen Krankenversicherer bekommen können. Im Antrag wird in der Regel danach gefragt, ob bereits einmal ein Antrag auf Krankentagegeldversicherung abgelehnt worden ist.

Gesundheitsfragen immer wahrheitsgemäß beantworten

Die Gesundheitsfragen sollten Sie immer wahrheitsgemäß und vollständig beantworten.

Bei grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten bzw. diesen bei arglistiger Täuschung anfechten.

Krankentagegeldversicherung - wie Sie Beiträge schon bei Vertragsabschluss sparen

Zahlweise des Vertrags entsprechend auswählen

Wenn Sie Ihre Beiträge anstatt monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Besondere Tarife/Rabatte anfragen

Für besondere Berufsgruppen oder Mitgliedschaften in Verbänden gibt es oftmals besondere Tarife/Rabatte. Beispielsweise für Angehörige des öffentlichen Dienstes, Mitgliedschaften in Verbänden etc..

Fragen Sie bei einem Versicherungsexperten an, ob auch für Sie einer dieser Tarife/Rabatte Anwendung finden kann. Es sind Rabatte von 2% - 10% möglich.

Optimierung einer bereits bestehenden Krankentagegeldversicherung

Erhöhung des vereinbarten Krankentagegelds

In der Regel ist es möglich bei einer Gehaltserhöhung das Krankentagegeld ohne erneute Gesundheitsprüfung anzupassen.

Darüber hinaus kann das Krankentagegeld auch im Rahmen von Erhöhungsaktionen, die für gewöhnlich alle 2-3 Jahre stattfinden ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöht werden.

Reduzierung des vereinbarten Krankentagegelds

Es ist jederzeit möglich das Krankentagegeld und damit den Beitrag zu reduzieren.

Krankentagegeldversicherung - zur Beachtung beim Eintritt eines Leistungsfalls

Meldung des Leistungsfalls beim Krankenversicherer

Informieren Sie Ihren Krankenversicherer telefonisch oder schriftlich im Fall des Eintritts einer Arbeitsunfähigkeit („Krankschreibung“). Idealerweise unverzüglich schon innerhalb der Karenzzeit, spätestens jedoch bis zum ersten Tag, für den Ihr Anspruch auf Krankentagegeld besteht.

Prüfung Ihrer Leistungsansprüche

Zur Prüfung Ihrer Leistungsansprüche sendet Ihnen Ihr Krankenversicherer ein Formular zum Nachweis der Arbeitsunfähigkeit („Pendelattest“) zu. Dieses Formular zum Nachweis der Arbeitsunfähigkeit muss von Ihrem Arzt ausgefüllt und dann von Ihnen an Ihren Krankenversicherer zurückgesandt werden, damit Sie Ihren Anspruch auf Krankentagegeld geltend machen können.

Im Falle der Ablehnung einer Zahlung des Krankentagegelds durch Ihren Krankenversicherer

Lehnt der Krankenversicherer die Zahlung des vereinbarten Krankentagegelds aus Ihrer Sicht unberechtigt ab, gibt es u.a. die Möglichkeit den Ombudsmann für die private Kranken- und Pflegeversicherung einzuschalten:

OMBUDSMANN
Private Kranken- und Pflegeversicherung
Postfach 06 02 22
10052 Berlin
Telefon: 0800 2 55 04 44 (kostenfrei aus deutschen Telefonnetzen)
Telefax: 030 20 45 89 31
E-Mail: ombudsmann@pkv-ombudsmann.de

Des Weiteren können sie eine auf solche Fälle spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei mit einer Prüfung beauftragen. Oftmals ist durch diese bereits eine kostenfreie Ersteinschätzung möglich.

Regelmäßige medizinische Prüfung während des Bezugs des Krankentagegelds

Eine fortdauernde Arbeitsunfähigkeit muss dem Krankenversicherer regelmäßig innerhalb einer bestimmten Frist durch den behandelnden Arzt bestätigt werden.

Die Länge der Frist hängt davon ab, was vertraglich im Tarif vereinbart wurde. Viele Krankenversicherer vereinbaren vertraglich als Mitwirkungspflicht eine Frist von 14 Tagen. Dies bedeutet, dass der Versicherte alle 14 Tage den behandelnden Arzt besuchen muss, damit dieser über ein sogenanntes „Pendelattest“ eine fortbestehende Arbeitsunfähigkeit bestätigen kann. Der Versicherte sendet dann das Pendelattest an den Krankenversicherer, damit dieser weiter das vereinbarte Krankentagegeld leistet.

Die Bezeichnung Pendelattest kommt daher, dass dieses Formular regelmäßig (z.B. alle 14 Tage) zwischen dem Versicherten und dem Krankenversicherer hin und her pendelt, um die fortdauernde Arbeitsunfähigkeit ärztlich zu attestieren zu lassen.

Ende des Anspruchs auf Krankentagegeld

Sofern Ihr Arzt bestätigt, dass Sie wieder in der Lage sind (teilweise) zu arbeiten oder eine Berufsunfähigkeit eintritt, endet der Anspruch auf das Krankentagegeld.

Kündigung einer Krankentagegeldversicherung

Ordentliche Kündigung Ihrer Krankentagegeldversicherung

Sie können Ihre Krankentagegeldversicherung zum Ende eines jeden Versicherungsjahres unter Einhaltung einer Frist von 3 Monaten kündigen. Wurde im Vertrag eine Mindestvertragsdauer vereinbart (bis zu 2 Jahren), so können Sie frühestens zu deren Ablauf kündigen.

Außerordentliche Kündigung/Sonderkündigungsrechte Ihrer Krankentagegeldversicherung

Ein Sonderkündigungsrecht Ihrer privaten Krankentagegeldversicherung steht Ihnen u.a. zu bei

  • einer Beitragserhöhung, Kündigungsfrist: 2 Monate ab Erhalt der Änderungsmitteilung
  • Eintritt einer Berufsunfähigkeit, der Vertrag endet spätestens innerhalb von 3 Monaten nach Eintritt der Berufsunfähigkeit
  • Wegzug in einen Staat außerhalb der Europäischen Union bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums
Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) 

Sofern Sie von der gesetzlichen (GKV) in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln, sollte das Krankentagegeld deutlich erhöht werden, da nun die Leistung des Krankengelds der gesetzlichen Krankenversicherung wegfällt, es aber gilt das berufliche Nettoeinkommen im Falle einer Arbeitsunfähigkeit abzusichern.

Klären Sie mit einem Versicherungsexperten oder direkt mit dem Krankenversicherungsunternehmen, ob bzw. unter welchen Bedingungen Sie Ihren Krankentagegeldtarif weiter fortführen und erhöhen können sowie welche Vorteile sich hieraus für Sie ergeben, z.B. Anrechnung von Alterungsrückstellungen etc..

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