Pflege-Bahr

14. Februar 2021

Ist der Neuabschluss eines Pflege-Bahrs sinnvoll?

Die gesetzliche und die private Pflegepflichtversicherung stellen für gesetzliche (GKV) als auch privat Krankenversicherte (PKV) eine gute Grundversorgung für den Eintritt einer Pflegebedürftigkeit bereit. Jedoch deckt diese Basisversorgung in der Regel nicht alle entstehenden Pflegekosten ab. Dadurch entsteht beim Eintritt einer Pflegebedürftigkeit eine Versorgungslücke sowohl für gesetzlich als auch für privat Pflegeversicherte. Zur Schließung dieser Versorgungslücke wird das Einkommen sowie das private Vermögen der pflegebedürftigen Person herangezogen. Ist kein Vermögen vorhanden oder ist dieses nach längerer Pflegebedürftigkeit aufgebraucht, springt das Sozialamt für die Zahlung der zusätzlichen Pflegekosten ein. Jedoch prüft das Sozialamt, ob sich die Kinder an den Pflegekosten beteiligen müssen. Gegebenenfalls müssen diese dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten finanziell unterstützen.

Den Abschluss einer Pflegezusatzversicherung erachten wir daher als sinnvoll.

Sie schützt das private Vermögen sowie die Kinder der pflegebedürftigen Person vor einer dauerhaften Zahlung von Pflegekosten in bedeutender Höhe. Des Weiteren bietet sie den Vorteil, dass die pflegebedürftige Person das ganze Spektrum möglicher Pflegeleistungen nutzen und weiterhin ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden führen kann.

Die Förderpflege, der sogenannte „Pflege-Bahr“ ist eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung bzw. ein Pflegetagegeld ohne Gesundheitsprüfung mit 5-jähriger Wartezeit. Die staatliche Förderung beträgt 5.- EUR im Monat bzw. 60.- EUR im Jahr.

Das durch einen Pflege-Bahr maximal absicherbare Pflegetagegeld reicht jedoch auch nicht aus, um die Versorgungslücke beim Eintritt einer Pflegebedürftigkeit vollständig zu schließen. Mit dem Abschluss eines Pflege-Bahrs kann die Versorgungslücke nur verringert werden.

Unseres Erachtens ist der Abschluss einer ungeförderten Pflegezusatzversicherung mit Gesundheitsprüfung oder eine Kombination aus dieser und einem Pflege-Bahr eine geeignete Möglichkeit die Versorgungslücke durch den Eintritt einer Pflegebedürftigkeit vollständig zu schließen. Sofern der Gesundheitszustand zu einer Antragsablehnung einer ungeförderten Pflegezusatzversicherung geführt hat, kann der Pflege-Bahr zumindest durch Personenkreise mit wesentlichen Vorerkrankungen und hohem Pflegerisiko genutzt werden, um die Versorgungslücke und damit verbundene finanzielle Belastungen beim Eintritt einer Pflegebedürftigkeit zu verringern.

Um eine bedarfsgerechte sowie die günstigste Absicherungsalternative zu finden, ist eine Beratung durch einen Versicherungsexperten zu empfehlen. Die wichtigsten Tipps erläutern wir Ihnen nun in unserem Fachbeitrag:

Produktauswahl und Neuabschluss eines Pflege-Bahrs

Auswahl des richtigen Produktes, worauf Sie beim Vergleich achten müssen

Gesetzlich vorgeschriebene Rahmenbedingungen für einen einen Pflege-Bahr (Förderpflege)

Damit ein Pflege-Bahr Produkt staatlich gefördert werden kann (5 Euro pro Monat bzw. 60.- EUR im Jahr bei einem Eigenbeitrag von mindestens 10.- EUR monatlich), müssen u.a. die folgenden Rahmenbedingungen von allen Pflege-Bahr Produkten erfüllt werden (Auszug):

  • Kontrahierungszwang: Jeder pflichtversicherte Antragsteller (gesetzlich und privat), der älter als 18 Jahre alt ist, muss vom Versicherer angenommen werden
  • Es darf noch keine Pflegebedürftigkeit eingetreten sein
  • Zahlung eines Pflegetagegelds, über das der Versicherte frei verfügen darf
  • Keine Gesundheitsprüfung
  • Keine Risikozuschläge
  • Keine Leistungsausschlüsse
  • Maximal 5-jährige Wartezeit, außer bei einer Pflegebedürftigkeit durch Unfall
  • Möglichkeit der Ruhendstellung des Vertrags bis zu 3 Jahren für finanziell Hilfebedürftige

Gesetzlich vorgeschriebene Mindestleistungen:

  • Pflegegrad 1: mindestens 10% der Leistungen von Pflegegrad 5
  • Pflegegrad 2: mindestens 20% der Leistungen von Pflegegrad 5
  • Pflegegrad 3: mindestens 30% der Leistungen von Pflegegrad 5
  • Pflegegrad 4: mindestens 40% der Leistungen von Pflegegrad 5
  • Pflegegrad 5: mindestens 600 EUR Pflegegeld monatlich

Die vertraglich vereinbarten Leistungen dürfen nicht höher sein als die Leistungen, die im Rahmen der Pflegepflichtversicherung gewährt werden.

Wesentliche Prüfpunkte von Pflege-Bahr Produkten im Vergleich

Durch die gesetzlich vorgeschriebenen Rahmenbedingungen sind die Pflege-Bahr Produkte weitestgehend gleich, daher sollte bei einem Vergleich auf die Mindestleistungen geachtet werden, die sich deutlich je Krankenversicherer unterscheiden können und großen Einfluss auf die Beitragshöhe haben:

Pflege-Bahr - Beispiel 1: Höhere prozentuale Leistungen je Pflegegrad

PflegegradAbsicherungMonatliches Pflegegeld
110% der Leistungen von Pflegegrad 5120 EUR
230% der Leistungen von Pflegegrad 5180 EUR
370% der Leistungen von Pflegegrad 5420 EUR
4100% der Leistungen von Pflegegrad 5600 EUR
5100% Pflegegrad 5 = 600 EUR Pflegegeld monatlich600 EUR


Pflege-Bahr - Beispiel 2: Höhere prozentuale Leistungen je Pflegegrad und höhere Mindestleistung bei Pflegegrad 5

PflegegradAbsicherungMonatliches Pflegegeld
110% der Leistungen von Pflegegrad 5120 EUR
230% der Leistungen von Pflegegrad 5360 EUR
380% der Leistungen von Pflegegrad 5960 EUR
4100% der Leistungen von Pflegegrad 51.200 EUR
5100% Pflegegrad 5 = 1.200 EUR Pflegegeld monatlich1.200 EUR


Fazit
Personen, die aufgrund von Vorerkrankungen und hohem Pflegerisiko keine ungeförderte Pflegezusatzversicherung mit Gesundheitsprüfung abschließen können, da ihr Antrag nicht angenommen wurde bzw. nicht angenommen werden würde, sollten nach Krankenversicherern Ausschau halten, die beim Pflege-Bahr eine möglichst hohe Leistung im Pflegegrad 5 erbringen. Dadurch kann die Versorgungslücke beim Eintritt einer Pflegebedürftigkeit deutlich verringert werden.

Personenkreise, welche den Pflege-Bahr in Kombination mit einer ungeförderten Pflegezusatzversicherung kombinieren wollen, sollten darauf achten, dass die Leistungen in den Pflegegraden über den gesetzlichen Mindestanforderungen liegen, damit auch schon bei einem niedrigeren Pflegegrad ein bedarfsgerechtes Pflegegeld gezahlt wird.

Pflege-Bahr - wie Sie Beiträge schon bei Vertragsabschluss sparen

Zahlweise des Vertrags entsprechend auswählen

Wenn Sie die Beiträge für Ihren Pflege-Bahr anstatt monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Pflege-Bahr - Zahlungsengpässe bei Eintritt einer Hilfebedürftigkeit

Ruhen des Pflege-Bahrs bei Hilfebedürftigkeit

Sofern Sie die Beitragszahlung für Ihren Pflege-Bahr aufgrund des Eintritts einer Hilfebedürftigkeit, d.h. wegen des Bezugs einer Grundsicherung/Sozialhilfe, nicht mehr zahlen können oder sie durch die Zahlung des Beitrags hilfebedürftig werden würden, können Sie Ihren Vertrag bis zu maximal 3 Jahren ruhend stellen. In dieser Zeit müssen keine Beiträge gezahlt werden.

Der Vertrag lebt mit dem Ende der Hilfebedürftigkeit wieder auf, spätestens jedoch nach der vereinbarten Dauer für die Ruhendstellung. Das Ende einer Hilfebedürftigkeit muss dem Krankenversicherer umgehend angezeigt werden.

Sofern eine Pflegebedürftigkeit während der Ruhephase eintritt, wird eine Leistung aus dem Pflege-Bahr erst ab dem Tag erbracht, an dem der Vertrag wieder auflebt.

Die Hilfebedürftigkeit ist durch eine Bescheinigung des zuständigen Amts, welches die Grundsicherung/Sozialhilfe erbringt, durch Vorlage beim Krankenversicherer nachzuweisen.

Pflege-Bahr - zur Beachtung bei Leistungsfällen

Die Feststellung einer Pflegebedürftigkeit durch die gesetzliche oder private Pflegepflichtversicherung ist Voraussetzung für die Leistung des Pflegegelds.

Sobald eine Pflegebedürftigkeit festgestellt worden ist, müssen Sie bei dem Krankenversicherer, bei dem Sie Ihren Pflege-Bahr abgeschlossen haben einen Leistungsantrag stellen sowie als Nachweis für die Pflegebedürftigkeit den Leistungsbescheid Ihrer gesetzlichen bzw. privaten Pflegepflichtversicherung einreichen. Der Pflegegrad und der Leistungsbeginn aus dem Leistungsbescheid sind maßgeblich für die Leistungserbringung aus dem Pflege-Bahr.

Nach der Vorlage aller Nachweise sowie der Prüfung des Leistungsantrags erfolgt die Auszahlung des Pflegegelds.

Kündigung Ihres Pflege-Bahrs

Ordentliche Kündigung Ihres Pflege-Bahrs

Sie können Ihren Pflege-Bahr zum Ende eines jeden Versicherungsjahres unter Einhaltung einer Frist von 3 Monaten kündigen. Wurde im Vertrag eine Mindestvertragsdauer vereinbart (bis zu 2 Jahren), so können Sie frühestens zu deren Ablauf kündigen.

Außerordentliche Kündigung / Sonderkündigungsrechte Ihres Pflege-Bahrs

Ein Sonderkündigungsrecht bei Ihrem Pflege-Bahr steht Ihnen u.a. zu

  • bei einer Beitragsanpassung, Kündigungsfrist: 2 Monate ab Erhalt der Änderungsmitteilung
  • bei Eintritt einer Hilfebedürftigkeit, auch rückwirkend innerhalb von 3 Monaten. Anschließend kann der Pflege-Bahr zum Ende des Monats gekündigt werden, in dem die Hilfebedürftigkeit nachgewiesen wurde
  • Bei einem Wegzug in einen Staat außerhalb der EU bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums

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