Pflegezusatzversicherung

13. Februar 2021

Ist der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung sinnvoll?

Die gesetzliche und die private Pflegepflichtversicherung stellen für gesetzliche (GKV) als auch privat Krankenversicherte (PKV) eine gute Grundversorgung für den Eintritt einer Pflegebedürftigkeit bereit. Jedoch deckt diese Basisversorgung in der Regel nicht alle entstehenden Pflegekosten ab. Dadurch entsteht beim Eintritt einer Pflegebedürftigkeit eine Versorgungslücke sowohl für gesetzlich als auch für privat Pflegeversicherte. Zur Schließung dieser Versorgungslücke wird das Einkommen sowie das private Vermögen der pflegebedürftigen Person herangezogen. Ist kein Vermögen vorhanden oder ist dieses nach längerer Pflegebedürftigkeit aufgebraucht, springt das Sozialamt für die Zahlung der zusätzlichen Pflegekosten ein. Jedoch prüft das Sozialamt, ob sich die Kinder an den Pflegekosten beteiligen müssen. Gegebenenfalls müssen diese dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten finanziell unterstützen.

Den Abschluss einer Pflegezusatzversicherung erachten wir daher als sinnvoll.

Sie schützt das private Vermögen sowie die Kinder der pflegebedürftigen Person vor einer dauerhaften Zahlung von Pflegekosten in bedeutender Höhe. Des Weiteren bietet sie den Vorteil, dass die pflegebedürftige Person das ganze Spektrum möglicher Pflegeleistungen nutzen und weiterhin ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden führen kann.

Der Vorteil im Vergleich zu einer staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung, dem so genannten Pflege-Bahr, liegt darin, dass es möglich ist mit einer ungeförderten Pflegezusatzversicherung eine Versorgungslücke vollständig zu schließen, da das Pflegetagegeld individuell vertraglich vereinbart werden kann. Das durch einen Pflege-Bahr maximal absicherbare Pflegetagegeld ist in der Regel nicht ausreichend, um die Versorgungslücke beim Eintritt einer Pflegebedürftigkeit vollständig zu schließen, diese kann nur verringert werden.

Da die ungeförderte Pflegezusatzversicherung eine Gesundheitsprüfung für einen Vertragsabschluss voraussetzt, ist der Pflege-Bahr jedoch trotzdem für Personenkreise mit wesentlichen Vorerkrankungen und hohem Pflegerisiko interessant, da er weder eine Gesundheitsprüfung noch Risikozuschläge oder Leistungsauschlüsse verlangen darf. Diese können mit Abschluss eines Pflege-Bahrs ihre Versorgungslücke zumindest verringern.

Das Thema Pflegeversicherung ist nicht nur vom Verständnis her anspruchsvoll, sondern auch sehr umfangreich. Für den angestrebten Abschluss einer Pflegezusatzversicherung ist es daher ratsam, einen Versicherungsexperten für eine umfassende Beratung hinzuzuziehen.

Die wichtigsten Tipps erläutern wir Ihnen nun in unserem Fachbeitrag:

Produktauswahl und Neuabschluss einer Pflegezusatzversicherung

Auswahl des richtigen Produktes, worauf Sie beim Vergleich von Pflegezusatzversicherungen achten müssen

Arten der Pflegezusatzversicherung

Die am Markt erhältlichen Pflegezusatzversicherungen werden im Wesentlichen unterschieden nach Pflegetagegeldversicherungen und Pflegekostenversicherungen.

Pflegetagegeldversicherung
Bei Eintritt einer Pflegebedürftigkeit wird ein vereinbartes Pflegetagegeld gezahlt, über das frei verfügt werden kann.

Pflegekostenversicherung
Bei Eintritt einer Pflegebedürftigkeit werden die tatsächlich entstandenen Kosten für die Pflegebedürftigkeit erstattet. Es gibt hierbei 2 Tarifvarianten für die Kostenerstattung:

  1. Die Leistung der Pflegepflichtversicherung wird als Ausgangsbasis herangezogen und z.B. zwischen 20% - 200% (frei vertraglich auswählbar) dieses Leistungsbetrags als Pflegekosten erstattet
  2. Die Pflegekostenversicherung erstattet einen Betrag, der gemeinsam mit der Leistung der Pflegepflichtversicherung einen bestimmten Prozentsatz der tatsächlichen Kosten abdeckt; alternativ die Restkosten nach Vorleistung der Pflegepflichtversicherung bis zu einem Maximalbetrag. Es werden dabei immer nur maximal 100% der tatsächlich entstandenen Kosten gezahlt!

Fazit
Pflegetagegeldversicherungen bieten eine höhere Flexibilität als Pflegekostenversicherungen, da das Pflegetagegeld zur freien Verwendung steht. Wahrscheinlich sind sie daher die häufigste am Markt angebotene Form der Pflegezusatzversicherung.

Wesentliche Prüfpunkte des Versicherungsschutzes von Pflegetagegeldversicherungen im Vergleich

Auf die folgenden Leistungen/Deckungen sollte bei der Pflegetagegeldversicherung geachtet werden:

  • Wenn die Pflegepflichtversicherung den Eintritt einer Pflegebedürftigkeit feststellt und leistet, erbringt auch die Pflegezusatzversicherung ihre Leistungen nach Maßgabe der Pflegepflichtversicherung
  • Pflegetagegeld wird bei ambulanter oder stationärer Pflege gezahlt
  • Leistungen schon ab Pflegegrad 1
  • Dynamische Erhöhung ohne Gesundheitsprüfung alle 3 Jahre
  • Beitragsbefreiung bei Feststellung Pflegegrad 5
  • Nachversicherungsgarantie (z.B. Tod oder Pflegebedürftigkeit des Ehepartners) ohne erneute Gesundheitsprüfung
  • Möglichkeit den Vertrag vorübergehend ruhend zu stellen, z.B. bei Arbeitslosigkeit oder Elternzeit
  • Verzicht auf Wartezeiten/kurze Wartezeiten
  • Weltweiter Versicherungsschutz
  • Assistanceleistungen für Versicherte und Angehörige
  • Optional: Einmalauszahlung bei erstmaliger Feststellung bei mindestens Pflegegrad 2 in vereinbarter Höhe
Kalkulation der Pflegezusatzversicherung nach Art der Lebensversicherung oder nach Art der Schadenversicherung?

Kalkulation nach Art der Lebensversicherung:
Bei der Kalkulation nach Art der Lebensversicherung bleibt, zumindest theoretisch, der Beitrag bis zum Vertragsende in gleicher Höhe bestehen. Es sind jedoch Beitragsanpassungen während der Vertragslaufzeit möglich, z.B. dadurch, wenn die Leistungsausgaben deutlich höher ausfallen als im Beitrag kalkuliert war.

Kalkulation nach Art der Schadenversicherung:
Wurde die Pflegezusatzversicherung nach Art der Schadenversicherung kalkuliert, steigen die Beiträge mit zunehmendem Alter an. In der Regel können Sie bereits zu Vertragsabschluss sehen, welche Altersgruppen es gibt und wie hoch die Beitragserhöhungen ausfallen, wenn Sie die nächsthöhere Gruppe bzw. ein bestimmtes Alter erreichen.

Pflegezusatzversicherung - Gesundheitsprüfung: Risikovoranfrage bei Vorerkrankungen nutzen

Risikovoranfrage vor Antragstellung durchführen

Die Risikovoranfrage ist eine Art „anonymer Probeantrag“. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Vorerkrankungen zu einer Ablehnung Ihres Antrages, zu einem Risikozuschlag oder Leistungsausschluss führen könnten, sollten Sie vor der Antragsstellung eine Risikovoranfrage mit einem Versicherungsexperten bei einem oder mehreren Krankenversicherern stellen.

So wissen Sie anschließend konkret, ob einer der Krankenversicherer Ihren Antrag annimmt und wenn ja, zu welchen Konditionen, d.h. mit/ohne Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen.

Des Weiteren hat dies den Vorteil, dass Sie trotz der Ablehnung einer oder mehrerer Versicherer noch eine Pflegezusatzversicherung bei einem anderen Krankenversicherer bekommen können. Im Antrag wird in der Regel danach gefragt, ob bereits einmal ein Antrag abgelehnt worden ist.

Gesundheitsfragen immer wahrheitsgemäß beantworten

Die Gesundheitsfragen sollten Sie immer wahrheitsgemäß und vollständig beantworten.

Bei grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten bzw. diesen bei arglistiger Täuschung anfechten.

Pflegezusatzversicherung - Alternative bei wesentlichen Vorerkrankungen

Sofern aufgrund Ihrer Vorerkrankungen kein Abschluss einer Pflegezusatzversicherung möglich ist, kann alternativ der sogenannte „Pflege-Bahr“ abgeschlossen werden. Der „Pflege-Bahr“ ist eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung ohne Gesundheitsprüfung. Dieser kann auch bei wesentlichen Vorerkrankungen abschlossen werden.

Wie Sie Beiträge für Ihre Pflegezusatzversicherung schon bei Vertragsabschluss sparen

Zahlweise des Vertrags entsprechend auswählen

Wenn Sie die Beiträge für Ihre Pflegezusatzversicherung anstatt monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Besondere Tarife / Rabatte anfragen

Für besondere Berufsgruppen oder Mitgliedschaften in Verbänden gibt es oftmals besondere Tarife/Rabatte für Pflegezusatzversicherungen. Beispielsweise für Angehörige des öffentlichen Dienstes, Mitgliedschaften in Verbänden etc..

Fragen Sie bei einem Versicherungsexperten an, ob auch für Sie einer dieser Tarife/Rabatte Anwendung finden kann. Es sind Rabatte von 2% - 10% möglich.

Optimierung Ihrer bereits bestehenden Pflegezusatzversicherung, um Beiträge zu reduzieren

Entfall von Risikozuschläge prüfen lassen

Sofern Sie bei Vertragsabschluss für Ihre Pflegezusatzversicherung eine Vorerkrankung angegeben und hierfür einen Risikozuschlag auf den regulären Beitrag erhalten haben, kann dieser ggf. zukünftig entfallen, wenn die Erkrankung nicht mehr existiert.

In der Regel reicht es aus sich von Ihrem Arzt die folgenfreie Ausheilung schriftlich bestätigen zu lassen und Ihrem Versicherer vorzulegen.

Reduktion des versicherten Pflegetagegelds bzw. der versicherten Pflegekosten 

Sofern Sie die Beitragszahlung für Ihre Pflegezusatzversicherung in der aktuellen Höhe nicht mehr finanziell stemmen können, gibt es die Möglichkeit entweder das versicherte Pflegetagegeld bzw. den Prozentsatz für die Aufstockung der gesetzlichen Leistungen zu reduzieren.

Beachten Sie jedoch, dass eine spätere Erhöhung, sofern Sie vertraglich angeboten wird, jedoch nur wieder mit einer erneuten Gesundheitsprüfung möglich ist.

Mit erneuter Gesundheitsprüfung: Wechsel zu einem anderen privaten Krankenversicherer

Sofern Sie keine nennenswerten Vorerkrankungen aufweisen und der Markt deutlich günstigere Angebote mit einem gleichwertigen Versicherungsschutz bietet, kann es für Sie besser sein Ihre Pflegezusatzversicherung zu kündigen und zu einem anderen Krankenversicherer zu wechseln.

Berücksichtigen Sie jedoch, dass eine neue Pflegezusatzversicherung, die nach Art der Schadenversicherung kalkuliert wurde, im Alter deutlich teurer werden kann. Lassen Sie sich in diesem Fall vor Vertragsabschluss von einem Versicherungsexperten darstellen, wie sich die Beitragshöhe mit zunehmendem Alter entwickelt.

Pflegezusatzversicherung - zur Beachtung bei Leistungsfällen

Die Feststellung einer Pflegebedürftigkeit ist Voraussetzung für die Leistung der Pflegezusatzversicherung. Je nach Tarif bzw. je nachdem, was darin vertraglich vereinbart worden ist, leistet die Pflegezusatzversicherung, wenn

  • eine Pflegebedürftigkeit durch die Pflegepflichtversicherung festgestellt wurde und durch diese Pflegeleistungen erbracht werden. Der durch die Pflichtversicherung festgestellte Pflegegrad ist dann auch für die Leistungserbringung der Pflegezusatzversicherung maßgebend. Dem privaten Krankenversicherer, bei dem die Pflegezusatzversicherung abgeschlossen worden ist, sind entsprechende Nachweise zum Eintritt der Pflegebedürftigkeit einzureichen
  • bei dem privaten Krankenversicherer, bei welchem die Pflegezusatzversicherung abgeschlossen worden ist, ein Antrag auf Auszahlung der Versicherungsleistungen eingereicht wird. Die Nachweise zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit und des Pflegegrades müssen zur Prüfung der Leistungserbringung eingereicht werden

Kündigung Ihrer Pflegezusatzversicherung

Ordentliche Kündigung Ihrer Pflegezusatzversicherung

Sie können Ihre Pflegezusatzversicherung zum Ende eines jeden Versicherungsjahres unter Einhaltung einer Frist von 3 Monaten kündigen. Wurde im Vertrag eine Mindestvertragsdauer vereinbart (bis zu 2 Jahren), so können Sie frühestens zu deren Ablauf kündigen.

Außerordentliche Kündigung / Sonderkündigungsrechte Ihrer Pflegezusatzversicherung

Ein Sonderkündigungsrecht bei Ihrer Pflegezusatzversicherung steht Ihnen u.a. bei einer Beitragsanpassung zu; Kündigungsfrist: 2 Monate ab Erhalt der Änderungsmitteilung. 

Bei einem Wegzug in einen Staat außerhalb der EU bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums, kann die Pflegezusatzversicherung ebenfalls gekündigt werden.

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