Schwere-Krankheiten-Versicherung

24. Januar 2021

Ist der Neuabschluss einer Schwere-Krankheiten-Versicherung sinnvoll?

Die Schwere-Krankheiten-Versicherung kommt ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum, darum werden die Produkte häufig auch als Dread Disease (schwere Erkrankung) oder Critical Illness (kritische Erkrankung) bezeichnet. Die Funktionsweise ist jedoch die Gleiche. Wird bei einem Versicherten eine schwere, in den Versicherungsbedingungen definierte Krankheit diagnostiziert, wie z.B. Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall, zahlt die Schwere Krankheiten Vorsorge eine versicherte Summe an den Erkrankten aus. Diese feste Einmalzahlung steht dem Versicherten zur freien Verwendung zur Verfügung. Es können damit beispielsweise eine kostenintensive Chefarztbehandlung in einer Spezialklinik, alternative Heilmethoden und/oder Pflege- und Therapiekosten bezahlt werden, welche in der Regel die finanziellen Spielräume strapazieren würden. In der Regel sind bis zu ca. 50 Krankheiten versichert.

Die Versicherungsleistung ist steuerfrei und wird als Einmalzahlung zur freien Verwendung ausgezahlt. Hierin liegt der Unterschied zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese leistet eine Rentenzahlung, wenn der ausgeübte Beruf nicht mehr zu mindestens 50% ausgeübt werden kann. Die Schwere-Krankheiten-Versicherung leistet unabhängig davon, ob eine berufliche Tätigkeit wieder aufgenommen wird, wenn die Erkrankung überstanden wurde.

Da der Eintritt einer schweren Krankheit ein existenzielles Lebensrisiko darstellt und die zur Auszahlung kommende Versicherungsleistung der Schwere-Krankheiten-Versicherung z.B. dazu genutzt werden kann, modernste Behandlungs- und Therapiemethoden in Anspruch zu nehmen, um die Krankheit zu besiegen oder ein heilungsförderndes Umfeld für den Versicherten zu schaffen, erachten wir den Abschluss einer Schwere Krankheiten Vorsorge als äußerst sinnvoll.

Ob eine Schwere-Krankheiten-Versicherung als Alternative oder Ergänzung zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden sollte, erfordert eine individuelle Bedarfsanalyse mit einem Versicherungsexperten. Beispielsweise zählen psychische Erkrankungen grundsätzlich nicht zum Versicherungsschutz der Schwere-Krankheiten-Versicherung, diese werden jedoch im Rahmen einer Berufsunfähigkeitsversicherung abgedeckt.

Die wichtigsten Tipps zur Schwere-Krankheiten-Versicherung erläutern wir Ihnen nun in unserem Fachbeitrag:

Produktauswahl und Neuabschluss  einer Schwere-Krankheiten-Versicherung

Auswahl des richtigen Produktes, worauf Sie beim Vergleich einer Schwere-Krankheiten-Versicherung achten müssen

Grundsätzliches

Die Schwere-Krankheiten-Versicherung ist ein erklärungs- bzw. beratungsintensives Produkt, da der Umfang an Deckungen/Leistungen/Klauseln je nach Produkt und Anbieter sehr unterschiedlich sein kann und diese beim Eintritt einer schweren Krankheit darüber entscheiden, ob ein Versicherer eine Leistung erbringt oder nicht. 

Auch die Festlegung der Versicherungsdauer zu Vertragsbeginn erfordert eine an den individuellen Bedürfnissen ausgerichtete Beratung, da die Beiträge mit zunehmender Versicherungsdauer in ein höheres Alter stark ansteigen. Es muss geprüft werden, wie lange der Versicherungsbedarf voraussichtlich besteht. 

Die Schwere-Krankheiten-Versicherung wird nur von vergleichsweise wenigen Versicherern am Markt angeboten.

Beim Abschluss einer Schwere-Krankheiten-Versicherung erfolgt eine umfangreiche Gesundheitsprüfung. Bei einem niedrigen Eintrittsalter und kleineren Versicherungssummen ist diese oftmals vereinfacht.

Bei einem Vergleich von Schwere-Krankheiten-Versicherungen sollten die folgenden, wesentlichen Punkte berücksichtigt werden:

Die Höhe des zu zahlenden Beitrages hängt neben eventuellen Vorerkrankungen, die zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder einer Ablehnung des Antrags führen können, im Wesentlichen von den folgenden Merkmalen ab:

  • Alter
  • Beruf
  • Raucher/Nichtraucher 

Je nach Versicherer kann können diese Merkmale unterschiedlich bewertet werden, was dann auch zu unterschiedlichen Beitragshöhen führen kann. 

Am Markt werden teilweise auch 2 Produktvarianten angeboten (z.B. Basis und Premium) mit denen der Umfang des Versicherungsschutzes individuell ausgewählt werden kann.

Wesentliche Prüfpunkte des Versicherungsschutzes im Vergleich
(aus unserer Sicht wichtige Deckungen/Leistungen):
  • Anzahl der abgesicherten Krankheiten (ca. 40-50 marktüblich)
  • Teilzahlungen der Versicherungssumme bei bestimmten Krankheiten
  • Absicherung bis zu 2 Personen 
  • Automatische Mitversicherung von Kindern bis zum 18. Geburtstag
  • Vorgezogene Todesfallleistung bei einer nicht versicherten Erkrankung/Verletzung, wenn Lebenserwartung auf weniger als 12 Monate attestiert wird 
  • Leistung der Versicherungssumme auch, wenn nach der Krankheit die Arbeit wieder aufgenommen werden kann
  • Erhöhung der Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung bei besonderen Anlässen, wie z.B. Heirat, Geburt oder Immobilienerwerb
  • Vertragslaufzeit kann jederzeit ohne erneute Gesundheitsprüfung verlängert werden
  • Beitragsfreistellung und Wiederinkraftsetzung ohne erneute Gesundheitsprüfung
  • Zahlung einer (kleinen) Todesfallleistung
  • Mögliche Ergänzung von Zusatzversicherungen, z.B. Beitragsbefreiung bei Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeitsschutz, Absicherung bei Erwerbsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit

Gesundheitsprüfung Schwere-Krankheiten-Versicherung: Risikovoranfrage bei Vorerkrankungen nutzen 

Risikovoranfrage vor Antragstellung durchführen

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Vorerkrankungen/aktuellen Erkrankungen zu einer Ablehnung Ihres Antrages, zu einem Risikozuschlag oder Leistungsausschluss führen könnten, sollten Sie vor der Antragsstellung eine Risikovoranfrage mit einem Versicherungsexperten bei einem oder mehreren Lebensversicherern anonym unter Angabe Ihres Gesundheitszustandes stellen. Die Risikovoranfrage ist eine Art „ anonymisierter Probeantrag“. 

So wissen Sie anschließend konkret, ob einer der Lebensversicherer Ihren Antrag auf Schwere-Krankheiten-Versicherung annimmt und wenn ja, zu welchen Konditionen, d.h. mit/ohne Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen.

Des Weiteren hat dies den Vorteil, dass Sie trotz der Ablehnung einer oder mehrerer Versicherer noch eine Schwere-Krankheiten-Versicherung bei einem anderen Lebensversicherer bekommen können. Im Antrag wird in der Regel danach gefragt, ob bereits einmal ein Antrag abgelehnt worden ist.

Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten

Gesundheitsfragen sollten Sie immer wahrheitsgemäß und vollständig beantworten. 

Bei grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten bzw. diesen bei arglistiger Täuschung anfechten.

Wie Sie Beiträge für eine Schwere-Krankheiten-Versicherung schon bei Vertragsabschluss sparen

Vertragslaufzeit nicht zu lang wählen

Die Vertragslaufzeit für Ihre Schwere-Krankheiten-Versicherung sollte nicht zu lang gewählt werden, da zum einen der Beitrag mit zunehmendem Endalter deutlich ansteigt und zum anderen auch der Versicherungsbedarf oftmals nicht bis ins hohe Alter besteht. 

Überschusssystem Beitragsverrechnung wählen

Bei der Beitragsverrechnung werden die Überschüsse dazu verwendet, die Beitragshöhe zu reduzieren. Dadurch erhalten Sie die gewünschte garantierte Versicherungssumme zum günstigsten Beitrag.

Zahlweise des Vertrags entsprechend auswählen

Wenn Sie Ihre Beiträge für Ihre Schwere-Krankheiten-Versicherung anstatt monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Optimierung einer bereits bestehenden Schwere-Krankheiten-Versicherung

Ihren Vertrag an sich ändernde Lebenssituationen anpassen

Mit zunehmendem Alter werden verschiedene Lebensphasen (z.B. Berufseinstieg, Familiengründung, Hausbau etc.) durchlaufen. Diese Phasen erfordern oftmals eine Anpassung des Versicherungsbedarfs. Daher empfiehlt es sich regelmäßig (mind. jährlich) die Schwere-Krankheiten-Versicherung auf Anpassungsbedarfe hin zu überprüfen. 

Wichtige Fragestellungen:

Ist die aktuell vereinbarte Versicherungssumme noch ausreichend oder mittlerweile zu hoch?

  • Z.B. Erhöhung der Versicherungssumme ohne Gesundheitsprüfung (Nachversicherungsgarantie), da gerade ein Kind geboren wurde 
  • Reduzierung der Versicherungssumme, da das Darlehen für das Haus bereits fast vollständig getilgt wurde

Ist der Einschluss einer Zusatzversicherung sinnvoll oder benötige ich die eingeschlossene Zusatzversicherung noch?

  • Z.B. Einschluss einer zusätzlichen Absicherung bei Erwerbsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit
Dynamische Erhöhungsoption (Dynamik) prüfen

Sofern bei Vertragsabschluss eine dynamische Erhöhungsoption (Dynamik) in Ihrer Schwere-Krankheiten-Versicherung eingeschlossen worden ist, sollte spätestens ab dem 40. Lebensjahr jährlich überprüft werden, ob eine Dynamik noch sinnvoll bzw. rentabel ist, da sich die dynamische Erhöhung (= zusätzliche Versicherungssumme) immer nach dem aktuellen Alter des Versicherten bemisst. Das heißt je älter Sie werden, desto geringer fällt die zusätzliche dynamische Versicherungssumme im Verhältnis zu dem zusätzlichen Beitrag aus, der im Rahmen der dynamischen Erhöhung gezahlt werden muss.

Überschusssystem umstellen

In der Schwere-Krankheiten-Versicherung werden/wurden am Markt im Wesentlichen die folgenden Überschusssysteme angeboten:

Beitragsverrechnung:
Die Überschüsse dienen dazu, die Beitragshöhe zu reduzieren.

Investmentbonus:
Die Überschüsse werden in Investmentfonds angelegt und im Leistungsfall oder bei Vertragsablauf ausgezahlt.

Durch Umstellung des Überschusssystems auf Beitragsverrechnung erhalten Sie die gewünschte garantierte Versicherungssumme für Ihre Schwere-Krankheiten-Versicherung zum günstigsten Beitrag.

Zahlweise des Vertrags ändern, um Beiträge zu sparen

Wenn Sie Ihre Beiträge anstatt monatlich zukünftig, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Schwere-Krankheiten-Versicherung - Möglichkeiten zur Überbrückung von Zahlungsschwierigkeiten

Eine rechtzeitige Beratung vor Eintritt des Zahlungsengpasses durch einen Versicherungsexperten oder direkt durch den Versicherer ist sinnvoll, um zu klären, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Zahlungspause möglich ist. Bei einer Nichtzahlung der Beiträge wird der Lebensversicherer ansonsten die Versicherung kündigen und der Versicherungsschutz erlischt. 

Stundung der Beiträge

Eine Stundung der Beiträge bzw. eine Zahlungspause für Ihre Schwere-Krankheiten-Versicherung ist je nach Versicherer bis zu ca. 2 Jahren bei vollem Versicherungsschutz möglich. Ggf. müssen Stundungszinsen entrichtet werden. Die Beiträge müssen anschließend nachgezahlt werden oder die Versicherungssumme wird entsprechend reduziert. 

Beitragsreduktion 

Die Höhe des Versicherungsbeitrags für die Schwere-Krankheiten-Versicherung kann jederzeit reduziert werden. Die Höhe der Versicherungssumme reduziert sich entsprechend.

Beitragsfreistellung

In der Regel ist auch eine Beitragsfreistellung Ihrer Schwere-Krankheiten-Versicherung möglich. Eine Wiederinkraftsetzung kann je nach Versicherer ohne oder nur mit erneuter Gesundheitsprüfung erfolgen, ggf. kann der Antrag auf Wiederinkraftsetzung sogar abgelehnt werden.

Schwere-Krankheiten-Versicherung - was Sie bei Eintritt eines Leistungsfalls beachten sollten

Wenn ein Leistungsfall eingetreten ist, muss dieser dem Versicherer schnellstmöglich telefonisch oder schriftlich gemeldet werden. Der Versicherer wird dann ärztliche Atteste und ggf. weitere Unterlagen zur Leistungsprüfung anfordern.

Kündigung einer Schwere-Krankheiten-Versicherung

Kündigungsfristen

Eine Schwere-Krankheiten-Versicherung kann schriftlich zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode gekündigt werden.

Ein Gespräch mit einem Versicherungsexperten vor einer Kündigung des Vertrags erachten wir als sinnvoll.

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