Sind Sie auch schon auf den Hund gekommen?

16. Juli 2021

Laut Statistikamt lebten 2018 rund 8,4 Mio. Hunde in deutschen Haushalten, im Jahr 2019 wurden bereits 10,1 Mio. Hunde gezählt. In jedem fünften Haushalt gibt es mindestens 1 Hund.

Das hat auch die Versicherungsbranche registriert. In den letzten drei Jahren sind eine Reihe neuer Anbieter in den Markt der Hunde-Kranken- und Hunde-OP-Versicherung eingestiegen. So kommt einerseits Bewegung in den Wettbewerb, anderseits wird es bei den vielen konkurrierenden Angebotskonzepten auch schnell ganz schön unübersichtlich.

Aber vorweg die Kardinalsfrage: „Lohnt sich die Hunde-Krankenversicherung überhaupt für den Kunden?“, fragen die Verbraucherschützer auf www.verbraucherzentrale.de und kommen in der Antwort zu einem „eher nicht“.u

Nun zeugt die Frage schon von einer sehr naiven Sichtweise, denn wenn jeder Kunde mehr ausbezahlt bekäme als eingezahlt wurde, würden die Versicherer ja reihenweise Pleite machen. So ist der Grundgedanke des Versicherungsvertrags ja eben die selteneren, aber eben unerwartet höheren Ausgaben abzusichern. Freuen Sie sich also eher über die gute Gesundheit ihres Lieblings und vertrauen darauf, im Ernstfall gut abgesichert zu sein.

Oder kündigen Sie gleich Ihre Gebäudeversicherung, nur weil Sie in den letzten 20 Jahren keinen einzigen Feuer-, Sturm- oder Leitungswasserschaden hatten?

Aber woran erkennt man denn nun eine gute Hundeversicherung?

Das breite Angebot der Hunde-Kranken- und der Hunde-OP-Versicherung ist aufgrund unterschiedlicher Konstruktionsweisen sehr komplex und nur schwer sinnvoll vergleichbar. Der niedrige Preis ist jedenfalls das letzte Entscheidungskriterium. Besser Sie beschäftigen sich vor dem Abschluss damit, was wie versichert ist und wie die Leistungsberechnung funktioniert, als dass Sie im Leistungsfall sehr unangenehm überrascht werden.

1. Das Vielfache der Gebührenordnung der Tierärzte (GOT) ist die Basis

Die GOT legt die Honorare der Tierärzte je Behandlung fest. Der Tierarzt darf zwischen dem Einfachen und dem Vierfachen der GOT abrechnen. Bei normalen Behandlungen wird es sich um das Zweifache einpendeln. Ist die Behandlung oder die OP komplex oder nur unter erschwerten Bedingungen durchführbar, dürfen Tierärzte mit Begründung das Dreifache abrechnen. In der ab Februar 2020 geltenden neuen GOT ist die Notfallbehandlung außerhalb der üblichen Praxiszeiten vom Tierarzt mit dem Vierfachen abzurechnen. Und das bedeutet, wer eine Versicherung nur zum 2-fachen Satz abgeschlossen hat, zahlt im Notfall (fast) die Hälfte selbst. Bei komplexen Behandlungen mit dreifacher Abrechnung zahlt er ein Drittel selbst. Das ist dann schon eine ziemlich hohe Selbstbeteiligung. Zu empfehlen ist also grundsätzlich ein Vertrag mit mindestens 3-fachem, besser 4-fachem Ersatz.

2. Auf die Erstattungsgrenze kommt es an

Um die Prämien niedrig zu halten, begrenzen die Versicherer die Leistung pro Operation oder pro Versicherungsjahr. Liegt diese Erstattungsgrenze relativ niedrig, nutzen ihnen die besten Leistungsbeschreibungen und auch ein hoher GOT-Satz nichts. Alles was über der Erstattungsgrenze liegt, zahlen Sie selbst. Für normale Behandlungen und eine Wundversorgung mag das Budget gerade so ausreichen. Wenn aber eine komplexe Unfallbehandlung oder eine chronische Krankheit anfällt, helfen diese Versicherungen nicht. Es sei denn, die Erstattungsgrenzen liegen wirklich sehr hoch. Apropos Erstattungsgrenzen: es gibt da einen neuen Anbieter, der in den ersten zwei Vertragsjahren die maximale Erstattung auf deutlich unterhalb des gezahlten Beitrags limitiert. Da hat man in den ersten zwei Jahren einen schlechten Geldwechselvertrag und ab dem siebten Lebensjahr des Hundes sinkt dann auch noch der Erstattungssatz kontinuierlich.

3. Der Erstattungssatz ist auch sehr wichtig

Der Erstattungssatz gibt an, wieviel Prozent einer Tierarztrechnung der Versicherer übernimmt. Bei einem Erstattungssatz von 80% resultiert aus solch einem Vertrag also eine Selbstbeteiligung von 20%. Bei einer komplexen Operation über 5.000 Euro verbleiben dann also 1.000 Euro beim Hundebesitzer.

4. Und dann wären da noch der OP-Katalog oder die Ausschlussliste

Ein übliches Vorgehen der Versicherer ist, ausgehend vom GOT-Verzeichnis ausgewählte Operationen und Behandlungsmethoden auszuschließen, die sehr kostentreibend sind, da es sich in der Regel um rassespezifische, soll heißen genetisch bedingte, häufige Erkrankungen handelt. Solche Ausschlusslisten können dann schon mal 20 und mehr Positionen umfassen. Aber selbst wenn es keine langen Listen gibt, achten Sie auf die rassespezifischen Generalklauseln. Vielleicht hätten Sie Ihren Hund gar nicht bei dem entsprechenden Versicherer versichern dürfen!

Ein seltener Ansatz eines Versicherers in der Hunde-OP-Versicherung ist, keine Ausschlusslisten aufzumachen, sondern von vornherein nur eine bestimmte Auswahl an OP‘s abzusichern. Dann kann man auch eine bessere Premiumvariante anbieten, die für diese definierten OP’s auch die angeborenen, rassespezifischen Fehlentwicklungen absichert. Aber eine Augen-OP oder eine Brachyzephalie der typischen Modehunde fällt dann leider nicht darunter.

5. Nun hätten wir beinahe die Wartezeiten vergessen

Es ist ja nachvollziehbar, dass die Versicherer keine Hunde versichern wollen, die bereits krank und behandlungsbedürftig sind. Neben den Gesundheitsfragen im Antragsprozess stellen dies die Wartezeiten nach Vertragsbeginn sicher. Bei Erkrankungen innerhalb der Wartezeit gibt es keine Leistungen. Die „allgemeine Wartezeit“ liegt zwischen 1 und 3 Monaten. Bei Unfällen sollte die allgemeine Wartezeit entfallen. Mit „besonderen Wartezeiten“ zwischen 6 und 24 Monaten trauen sich einige Versicherer auch an den Einschluss bestehender Vorschäden oder rassespezifischer Fehlbildungen heran.

Wie war das jetzt noch mit der Konstruktionsweise gemeint?

Die Versicherer berechnen die Ersatzleistung nicht anhand eines Kriteriums, sondern in der Regel an einer Kombination. Da ist es für den Hundehalter schon eine hohe Kunst, vor Antragstellung zu wissen, welche Operationen ungefähr wie teuer werden, nach welchem GOT-Satz wohl der Tierarzt abrechnet oder ob die Behandlung in die Notfallzeit fällt, und ob da der 100% Erstattungssatz überhaupt hilft, wenn die Kosten sowieso gedeckelt sind.

Das Fazit zum Schluss

Schön wäre natürlich ein Vertrag mit 4-fach GOT, 100% Kostenübernahme und unlimitiert bei überschaubaren Ausschlüssen. Den gibt es tatsächlich als OP-Versicherung für je nach Tier um die 20 Euro monatlich.

Als umfassende Hunde-Krankenversicherung inkl. aller Tierarztbehandlungen wäre so ein Vertrag aber so teuer wie für den Menschen und wohl kaum noch verkaufbar. Meine Empfehlung an den Hundehalter, der an einer Hundekrankenversicherung (inkl. OP-Versicherung) interessiert ist, ist daher ein Vertrag mit 3- bis 4-fach-GOT, un- oder sehr hoch limitiert und mit einem hohen Erstattungssatz von mindestens 80% und überschaubaren Ausschlüssen. Da weiß der Kunde von vornherein, dass er mit den verbleibenden 20% nach Hause geht. Aber das sind ehrliche, transparente Produkte und so soll es ja auch sein. Hier fallen dann schon je nach Tier beim günstigsten Tarif 60 bis 70 Euro monatlich an.

P.S. Ich setze natürlich voraus, dass Sie bereits eine Hundehalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen haben, bevor Sie sich um die Hundekrankenversicherung kümmern …


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