Warenkredite und deren Versicherung in Zeiten von Corona

9. Januar 2021

Wie mittelständische Unternehmen sich gezielt gegen Zahlungsausfälle und Insolvenzen aufgrund der Corona Pandemie schützen können.

Warenkreditversicherung
Bild: © Vlarvixof/Shutterstock.com


Einführung

Der Warenkredit spielt eine wichtige Rolle in der Finanzierung gerader mittelständischer Lieferketten. Zwischen der Lieferung einer Ware oder Dienstleistung und entsprechender Zahlung liegen meist 30 bis 180 Tage. Schon in normalen Zeiten kann auf der Seite der Kunden viel passieren, d.h. ein Unternehmen gerät in die Insolvenz bzw. kann Verbindlichkeiten aus Warenlieferungen und Leistungen nicht begleichen. In Coronazeiten wird diese Periode umso ungewisser. Denn Zahlungsziele sind nichts anderes als Kredite, die ein Lieferant seinen Kunden einräumt. Dies bindet Liquidität beim Lieferanten und erhöht damit das gesamte Risikoportfolio seines Unternehmens.

Was ist eine Warenkreditversicherung und ihre Bedeutung in Coronazeiten

Die Bedeutung des Warenkredits, gerade in Coronazeiten, hat die Bundesregierung erkannt und stützt die sogenannten Warenkreditversicherer mit einem 30 Mrd. Schutzschirm. Aber was ist eine Warenkreditversicherung und warum ist sie eine so wichtige Versicherung für am Markt agierende Unternehmen?

Die Warenkreditversicherung ist eine Finanz- und Versicherungsdienstleistungen in einem Produkt. Sie bietet Lieferanten einen wichtigen Schutz für den Fall, dass warenempfangende Unternehmen in eine Insolvenz geraten. Zwischen einer Warenlieferung oder Dienstleistung und deren Bezahlung vergehen nicht selten bis zu 180 Tage. Das liefernde Unternehmen gewährt derweil sozusagen einen Kredit. Kann das warenempfangende Unternehmen wegen finanzieller Schieflagen seine Verbindlichkeiten gegenüber dem Lieferanten nicht begleichen, kann auch dieser in Folge dadurch in Liquiditätsengpässe geraten. Im schlimmsten Fall droht sogar die Insolvenz des Lieferanten.

Der besondere Nutzen einer Warenkreditversicherung für Lieferanten

Sobald Lieferanten Waren liefern oder Dienstleistungen auf Rechnung erbringen, sollten diese sich gegenüber dem Risiko einer unbezahlt bleibenden Forderung absichern. Eine Warenkreditversicherung übernimmt nicht nur die Entschädigung bei einem Forderungsverlust, sondern auch die Bonitätsprüfung der abnehmenden Unternehmen im In- und Ausland. Die Basis hierfür liefern komplexe Risikoanalyse- und Ratingtools, die auf vielfältigen Informationen (u.a. Wirtschafts- und Bankauskünfte, Branchenanalysen, aber auch eigene Bilanzanalysen und Gespräche mit den Abnehmern) basieren.

Die Analysen der Kreditversicherer sind in der Regel sehr schnell. Da man meist eine Vielzahl von Lieferanten auf eine Adresse absichert, hält man die Ratings bei den meisten Adressen vor, Entscheidungen fallen i.d.R. am gleichen Tag. Liefert die Analyse ein positives Ergebnis, wird der Kreditversicherer den Versicherungsschutz dann bis zu einer bestimmten Höhe ("Kreditlimit") gewähren. Bis zur Höhe dieser Deckungssumme gelten die offenen Posten aus Lieferungen und Leistungen sodann sofort als versichert, d.h. bei Zahlungsverzug oder Insolvenz des Abnehmers leistet der Kreditversicherer eine entsprechende Entschädigungsleistung.

Aussichten während der Corona-Pandemie

Durch die Corona Pandemie rechnen die Kreditversicherer mit Zunahme von Unternehmensinsolvenzen:

"Die deutsche Wirtschaft schiebt seit Monaten eine Welle von Insolvenzen vor sich her"
Thomas Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)

"Erst wenn ab Januar sowohl überschuldete als auch zahlungsunfähige Unternehmen wieder einen Insolvenzantrag stellen müssen, werden wir erkennen, wie groß dieser Anstieg ist und welche wirtschaftlichen Verwerfungen die Corona-Pandemie tatsächlich angerichtet hat"
Thomas Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)

Hilfsmaßnahmen durch die Bundesregierung

Der Gesetzgeber hatte die Insolvenzantragspflicht für Firmen ausgesetzt, deren Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Folgen der Covid-19-Pandemie beruht. Diese seit März geltende Sonderregelung lief Ende September für die Fälle von Zahlungsunfähigkeit aus und endete am 31. Dezember 2020 nun auch für die Firmen mit Überschuldung. Eine Ausnahme gilt nur für Unternehmen, bei denen seit 01.11.2020 vorgesehene staatliche Hilfeleistungen noch ausstehen, hier ist der Januar noch als Karenzzeit zu sehen. Aufgrund der nun zu erwartenden Insolvenzwelle hat die Regierung zusammen mit den Warenkreditversicherern den Schutzschirm bis zum 30.06.2021 verlängert, wie Finanzminister Olaf Scholz konstatiert:

„Die Pandemie stellt die Wirtschaft weiter vor beispiellose Herausforderungen. Deshalb setzt die Bundesregierung ihre Hilfsmaßnahmen entschlossen fort. Der Schutzschirm für Lieferketten bleibt aufgespannt. Wir sichern die Lieferbeziehungen zwischen Unternehmen in der Krise. Der Schutzschirm ist ein wichtiges Element unserer Krisenreaktion mit dem wir Vertrauen schaffen und unsere Wirtschaft am Laufen halten. Damit haben wir auch international Standards gesetzt. Wir stehen in dieser schweren Zeit weiter an der Seite von Unternehmen und Beschäftigten, damit alle so gut wie möglich durch die Krise kommen.“
Olaf Scholz, Finanzminister der BRD

Der Schutzschirm für Warenkreditversicherungen wird verlängert - mittelständische Unternehmen sollten jetzt handeln

Im Detail verpflichten sich die Kreditversicherer im Rahmen des 30-Milliarden-Euro-Schutzschirms, ihre bestehenden Kreditlimite weitestgehend aufrecht zu erhalten und sich an den Schadenzahlungen mit 10 Prozent zu beteiligen. Zudem überlassen sie dem Bund knapp 60 Prozent der Prämieneinnahmen für das erste Halbjahr 2021. Auch die über die Garantie des Bundes hinausgehenden Ausfallrisiken tragen die Kreditversicherer. Mittelständische Unternehmen, die bisher noch keinen Forderungsausfallschutz durch eine Warenkreditversicherung abgeschlossen haben, sollten daher jetzt aktiv werden und das Angebot der Versicherer sowie des Staates nutzen, um nicht selbst durch einen Forderungsausfall in Schieflage zu geraten.

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Ihr Jens Jonen
Geschäftsführender Gesellschafter bei Hansekontor West Maklergesellschaft mbH

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