Zahnzusatzversicherung

16. Januar 2021

Ist der Neuabschluss einer Zahnzusatzversicherung sinnvoll?

Die Zahnzusatzversicherung ist aus unserer Sicht eine sehr sinnvolle Ergänzung der Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Hochwertiger und natürlich aussehender Zahnersatz hat seinen Preis. Wenn Sie einen erstklassigen Zahnersatz wollen, zahlen Sie als gesetzlich Krankenversicherter oft viel Geld aus der eigenen Tasche, denn die Krankenkassen erstatten nur magere Festzuschüsse.

Der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung verhindert, dass Sie auf den restlichen Kosten sitzen bleiben. Je nach Tarif werden Ihnen bis zu 100% der entstandenen Kosten erstattet. Daher ist unseres Erachtens der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung sehr sinnvoll, auch im bereits fortgeschrittenen Alter.

Die Zahnzusatzversicherung ist nur oberflächlich aus Laiensicht betrachtet ein einfaches Produkt. Tatsächlich gibt es bei Zahnzusatzversicherungen 2 Arten der Beitragskalkulation und mindestens 3 Arten der Kostenerstattung sowie unterschiedliche Zahnstaffeln (Leistungsbegrenzung innerhalb der ersten Versicherungsjahre). Deren Auswahl wirkt sich wesentlich auf die Kostenerstattung im Leistungsfall und auf die Höhe des Beitrags, den Sie zahlen müssen, aus. Daher ist unseres Erachtens die Beratung durch einen Versicherungsexperten zu empfehlen.

Produktauswahl und Neuabschluss einer Zahnzusatzversicherung

Auswahl des richtigen Produktes, worauf Sie beim Vergleich achten müssen

Grundsätzliches

Wer sich eine Zahnzusatzversicherung abschließen möchte, sollte sich vor Abschluss umfassend informieren und die Tarifangebote am Markt gründlich vergleichen. Grundsätzlich findet man am Markt 2 Arten der Beitragskalkulation und mindestens 3 Arten der Kostenerstattung für die Zahnzusatzversicherung. Des Weiteren beinhalten diese Produkte unterschiedliche Zahnstaffeln, welche die Versicherungsleistungen in den ersten Jahren begrenzen. Um die Leistungen und Beiträge von Produkten verschiedener Krankenversicherer sinnvoll vergleichen zu können, müssen Sie dies berücksichtigen.

Zwei Arten der Beitragskalkulation für die Zahnzusatzversicherung

1. Kalkulation nach Art der Lebensversicherung
Bei der Kalkulation nach Art der Lebensversicherung bleibt, zumindest theoretisch, der Beitrag für die Zahnzusatzversicherung bis zum Vertragsende in gleicher Höhe bestehen. Es sind jedoch Beitragsanpassungen während der Vertragslaufzeit möglich, z.B. dadurch, wenn die Leistungsausgaben deutlich höher ausfallen als im Beitrag kalkuliert war.

2. Kalkulation nach Art der Schadenversicherung
Wurde die Zahnzusatzversicherung nach Art der Schadenversicherung kalkuliert, steigen die Beiträge mit zunehmendem Alter an. In der Regel können Sie bereits zu Vertragsabschluss sehen, welche Altersgruppen es gibt und wie hoch die Beitragserhöhungen ausfallen, wenn Sie in die nächsthöhere Gruppe kommen.

Wahrscheinlich wird daher der Beitrag für eine Zahnzusatzversicherung mit einer Kalkulation nach Art der Schadenversicherung bei gleichen Leistungen günstiger sein als der eines Tarifes, welcher nach Art der Lebensversicherung kalkuliert worden ist.

3 Arten der Kostenerstattung bei Zahnzusatzversicherungen - WICHTIG!

1. Verdopplung Festschuss der GKV
Bei einem Tarif, der den Festzuschusses der GKV verdoppelt, erstattet die Zahnzusatzversicherung noch einmal den gleichen Betrag wie die GKV. Die Höhe der Zahnarztrechnung spielt hier keine Rolle, so dass immer noch ein hoher Eigenanteil zu leisten ist.

2. Prozentuale Erstattung des Rechnungsbetrags
Diese Tarife übernehmen einen prozentualen Anteil der Zahnarztrechnung inkl. des GKV-Zuschusses bis zu 100%. Wenn Sie in dieser Tarifvariante einen hohen Erstattungsprozentsatz wählen, zahlen Sie nur noch einen geringen oder gar keinen Eigenanteil mehr, auch wenn Sie sich für einen hochwertigen Zahnersatz entscheiden.

3. Prozentuale Erstattung der Restkosten vom Rechnungsbetrag
Diese Tarife erstatten nach Abzug des GKV-Zuschusses vom Rechnungsbetrag einen bestimmten Prozentsatz der Restkosten vom Rechnungsbetrag, z.B. 90%. Wenn Sie in dieser Tarifvariante einen hohen Erstattungsprozentsatz wählen, zahlen Sie nur noch einen geringen oder gar keinen Eigenanteil mehr, auch wenn Sie sich für einen hochwertigen Zahnersatz entscheiden.

Beispiele zur Kostenerstattung in der Zahnzusatzversicherung:

Zahnstaffeln

Beachten Sie auch die tariflich vorgesehenen Zahnstaffeln. In den ersten (üblicherweise 4 oder 5) Versicherungsjahren werden Rechnungsbeträge nur bis zu tariflich definierten Höchstgrenzen anerkannt (Zahnstaffel).

Beispiel für eine Zahnstaffel:

  • Erstattung im 1. Jahr: bis 1.000 EUR
  • Erstattung in den ersten 2 Jahren: bis 2.000 EUR
  • Erstattung in den ersten 3 Jahren: bis 3.000 EUR
  • Erstattung in den ersten 4 Jahren: bis 4.000 EUR
  • Erstattung in den ersten 5 Jahren: bis 5.000 EUR

Danach, sowie bei unfallbedingter zahnärztlicher Behandlung, entfällt in der Regel die Staffelung. Es gibt jedoch auch Versicherer, die darüber hinaus immer Höchstgrenzen für die Kostenerstattung, z.B. 20.000 EUR, vorsehen.

Wesentliche Prüfpunkte des Versicherungsschutzes einer Zahnzusatzversicherung im Vergleich

Auf folgende Leistungen sollte beim Vergleich von Zahnzusatzversicherungen geachtet werden:

Zahnersatz:

  • Mind. 75% - 100% Erstattung für Zahnersatz (Kronen und Implantate)
  • Mind. 75% - 100% Erstattung für Inlays

Zahnbehandlung, Zahnprophylaxe und Kieferorthopädie:

  • Zahnprophylaxe/professionelle Zahnreinigung
  • (Kunststoff-)Füllungen
  • Parodontitisbehandlung
  • Kieferorthopädie (Kinder und Jugendliche)
  • Kieferorthopädie für Erwachsene nach Unfall

Leistungserbringung und Wartezeiten:

  • Was gilt in Bezug auf die Leistung für fehlende und noch nicht ersetzte Zähne
  • Keine oder nur kurze Wartezeiten
  • Leistungserbringung auch ohne Vorleistung der GKV

Gesundheitsprüfung: Risikovoranfrage bei Vorerkrankungen nutzen

Risikovoranfrage vor Antragstellung durchführen

Grundsätzlich ist die Gesundheitsprüfung für eine Zahnzusatzversicherung im Vergleich zu anderen Krankenversicherungen einfach, da es nur wenige Fragen gibt. Wenn Sie sich jedoch nicht sicher sind, ob Ihre Vorerkrankungen zu einer Ablehnung des Antrages, zu einem Risikozuschlag oder Leistungsausschluss führen könnten, sollten Sie vor der Antragsstellung eine Risikovoranfrage mit Ihrem Versicherungsexperten bei einem oder mehreren Krankenversicherern anonym unter Angabe Ihres Gesundheitszustandes stellen. Die Risikovoranfrage ist eine Art anonymer Probeantrag.

So wissen Sie anschließend konkret, ob einer der Krankenversicherer Ihren Antrag annimmt und wenn ja, zu welchen Konditionen, d.h. mit oder ohne Risikozuschlägen bzw. mit oder ohne Leistungsausschlüssen.

Des Weiteren hat dies den Vorteil, dass Sie trotz der Ablehnung einer oder mehrerer Krankenversicherer noch eine Zahnzusatzversicherung bei einem anderen Versicherer bekommen können.

Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten

Gesundheitsfragen sollten Sie immer wahrheitsgemäß und vollständig beantworten. Bei grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten bzw. diesen bei arglistiger Täuschung anfechten.

Sofern Vorerkrankungen vorliegen, die zu einer Antragsablehnung führen würden, gibt es am Markt mindestens 2 uns bekannte Möglichkeiten eine Zahnzusatzversicherung mit prozentualer Erstattung des Rechnungsbetrags ohne Gesundheitsprüfung abzuschließen.

Wie Sie Beiträge für eine Zahnzusatzversicherung schon bei Vertragsabschluss sparen

Zahlweise des Vertrags entsprechend auswählen

Wenn Sie Ihre Beiträge anstatt monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Besondere Tarife/Rabatte anfragen

Für besondere Berufsgruppen oder Mitgliedschaften in Verbänden gibt es oftmals besondere Tarife/Rabatte. Beispielsweise für Angehörige des öffentlichen Dienstes, Mitgliedschaften in Verbänden etc..

Fragen Sie bei einem Versicherungsexperten an, ob auch für Sie einer dieser Tarife/Rabatte Anwendung finden kann. Es sind Rabatte von 2% - 10% möglich.

Optimierung Ihrer bereits bestehenden Zahnzusatzversicherung, um Beiträge einzusparen

Zahlweise des Vertrags entsprechend auswählen

Wenn Sie Ihre Beiträge zukünftig anstatt monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich zahlen, verringert sich der zu zahlende Beitrag in der Regel zwischen 2% - 5%.

Zu beachten: Die Beiträge sind immer im Voraus zu zahlen, d.h. zu Vertragsbeginn bzw. zu Beginn einer Versicherungsperiode (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich).

Zahnzusatzversicherung - was muss ich im Leistungsfall bzw. für die Kostenerstattung beachten?

Heil- und Kostenplan - vorher klären, ob Kosten durch Zahnzusatzversicherung übernommen werden

Stehen größere Behandlungen an, müssen Sie vor dem Behandlungsstart einen Heil- und Kostenplan von Ihrem Zahnarzt erstellen lassen und diesen bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse einreichen, damit diese ihren Zuschuss bewilligt.

Sobald Sie grünes Licht für die Behandlung von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse bekommen haben, müssen/sollten Sie auch den Heil- und Kostenplan inkl. deren Zusage Ihrem privaten Krankenversicherer, bei dem Sie die Zahnzusatzversicherung abgeschlossen haben, einreichen. Bei einigen Versicherern ist die verpflichtend, bei anderen ist es ausreichend, wenn Sie nach der Behandlung die Rechnung inkl. des durch die gesetzlichen Krankenkasse bewilligten Heil- und Kostenplans zur Kostenerstattung einreichen. Was für Ihren Vertrag gilt, kann in den Versicherungsbedingungen nachgeschlagen oder bei einem Versicherungsexperten bzw. direkt bei Ihrem Krankenversicherer, erfragt werden.

Unseres Erachtens ist es sinnvoll immer den Heil- und Kostenplan nach Bewilligung der Vorleistung durch die gesetzliche Krankenversicherung auch dem privaten Krankenversicherer zur Genehmigung vorzulegen. Damit gehen Sie sicher, dass auch alle veranschlagten Kosten nach der Behandlung erstattet werden.

Nach der Behandlung durch Ihren Zahnarzt, müssen Sie die Original-Rechnung mit dem genehmigten Heil- und Kostenplan der gesetzlichen Krankenversicherung zur Kostenerstattung bei Ihrem privaten Krankenversicherer einreichen.

Zur Beachtung beim Einreichen von Rechnungen zur Erstattung durch Ihre Zahnzusatzversicherung

Ihrem privaten Krankenversicherer müssen immer die Original-Rechnungen eingereicht werden, Duplikate nehmen Sie zu Ihren Unterlagen.

Entscheidend für die Zuordnung zu einem Versicherungsjahr ist das Datum der Leistungserbringung durch den Zahnarzt, nicht das Rechnungsdatum - zur Beachtung bei Zahnstaffeln!

Kündigung Ihrer Zahnzusatzversicherung

Überlegungen zur Kündigung

Bevor eine Zahnzusatzversicherung gekündigt wird, sollte daran gedacht werden, dass gerade mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass irgendwann einmal ein Zahnersatz, z.B. eine Krone oder Implantate benötigt werden, die sehr kostspielig werden können. Daher sollt geprüft werden, ob ein länger bestehender Vertrag tatsächlich jetzt gekündigt oder ggf. nur die prozentuale Erstattung reduziert werden soll (z.B. von 100% auf 85% oder von 90% auf 75%), um die Beiträge zu reduzieren.

Ein Beratungsgespräch mit einem Versicherungsexperten zeigt auf, welche Wechselalternativen möglich sind, um die Beiträge zu reduzieren und ohne dass z.B. bereits weggefallene Zahnstaffeln oder ggf. Wartezeiten wieder von vorne beginnen.

Ordentliche Kündigung Ihrer Zahnzusatzversicherung

Sie können Ihre Zahnzusatzversicherung zum Ende eines jeden Versicherungsjahres unter Einhaltung einer Frist von 3 Monaten kündigen. Wurde im Vertrag eine Mindestvertragsdauer vereinbart (bis zu 2 Jahren), so können Sie frühestens zu deren Ablauf kündigen.

Teilweise gibt es auch schon Zahnzusatzversicherungen am Markt, die jederzeit monatlich kündbar sind.

Außerordentliche Kündigung/Sonderkündigungsrechte Ihrer Zahnzusatzversicherung

Ein Sonderkündigungsrecht Ihrer Zahnzusatzversicherung steht Ihnen u.a. bei einer Beitragsanpassung zu, Kündigungsfrist: 2 Monate ab Erhalt der Änderungsmitteilung,

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